Seit 2007 findet im niedersächsischen Celle ein Mal jährlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit der „Celler Trialog“ statt. Dieses „Diskussionsforum für Außen- und Sicherheitspolitik“ wird bereits als „nationales Pendant zur Sicherheitskonferenz“ (SiKo) in München gehandelt. Initiiert wurde das Treffen vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, und dem Bundesministerium der Verteidigung.
Die 1. Panzerdivision Hannover repräsentiert die militärische Partnerin. Genau wie die SiKo steht der Celler Trialog für Krieg, Ausbeutung, Aufrüstung und zunehmende Militarisierung der Gesellschaft.

Im ersten Jahr 2007 wurden über 80 Teilnehmer_innen geladen, 2008 waren es bereits rund 120 einflussreiche Gäste aus Wirtschaft, Politik und Bundeswehr, die sich in der Celler Congress Union trafen. 2008 wurde vom 04. bis 06. Juni unter dem Motto „Die Bundeswehr im Einsatz für unsere Sicherheit – Wirtschaft und Politik an der Seite der Bundeswehr“ das Ziel eines engeren Schulterschlusses diskutiert und vorangetrieben.
In drei Gesprächs- bzw. Arbeitskreisen wurde unter der Leitung des Chefredakteurs des Magazins Capital, Dr. Klaus Schweinsberg, des Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Hans-Otto Budde, und des Inspekteurs der Marine, Vizeadmiral Wolfgang E. Nolting zu verschiedenen Themen gearbeitet.
Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitskreise wurden im so genannten „Celler Appell“ zu konkreten Forderungen zusammen gefasst:
„1. Zur Vertiefung des Dialogs zwischen Bundeswehr und Gesellschaft sollen künftig einmal im Jahr auf einem nationalen Forum, im Rahmen des Celler Trialogs, eine Bestandsaufnahme vorgenommen und weitere Schritte beschlossen werden. Damit wollen wir allen Entscheidungsträgern in Wirtschaft, Politik und Bundeswehr Impulse für die vertiefte sicherheitspolitische Diskussion geben.
2. Wir starten eine Initiative insbesondere zur Förderung der Reservisten in Industrie und Wirtschaft, zur Vertiefung der persönlichen Kontakte und zur Intensivierung der zivil-militärischen Zusammenarbeit. […]
3. Darüber hinaus wollen wir aktiv darauf hinwirken, dass der sicherheitspolitische Dialog auch in Forschung und Lehre, insbesondere an unseren Hochschulen, gestärkt wird, z.B. durch die Einrichtung von Stiftungsprofessuren und durch einen dauerhaften, praxisorientierten und wissenschaftlichen Austausch zwischen Wirtschaft und Bundeswehr.“ (Celler Appell 2008)

Klaus-Peter Müller spielt als Vorstandssprecher (2007) und Aufsichtsratsvorsitzender (2008) der Commerzbank, als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, als Offizier der Reserve und Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Gold „für vertiefte Begegnungen zwischen Führungskräften der Bundeswehr und der Wirtschaft“1 eine maßgebliche Rolle. Der Celler Trialog ist der Höhepunkt seiner Bemühungen, deutsche Unternehmen enger an das Militär heranzuführen.

Beim Celler Trialog handelt es sich nicht nur um hohle Floskeln – es werden reale Absprachen getroffen und Maßnahmen ergriffen. Neben den bereits erwähnten einflussreichen Personen übernahmen in den vergangenen Jahren noch zahlreiche weitere namenhafte Gäste Funktionen beim Celler Trialog. Dazu gehörten der damalige Kommandeur der 1. Panzerdivision, Generalmajor Wolf Langheld, und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der als Schirmherr der Veranstaltung auftrat. Außerdem beteiligten sich der frühere Bundesnachrichtendienst (BND)-Präsident Dr. August Hanning und der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Thomas Kossendey, der Bundestagsabgeordnete und außenpolitische Sprecher der CDU/CSU, Eckart von Klaeden, der Bundestagsabgeordnete der SPD und stellvertretender Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses, Hans-Ulrich Klose, der Chefredakteur der Griephan (global security)-Redaktion Heinz Schulte, der Bundesverteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung, sowie der Generalinspekteur der Bundeswehr General Wolfgang Schneiderhan.
Im Jahr 2009 werden zudem Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble, der Vorsitzende der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, und General a.D. Klaus Naumann erwartet, der das aktuelle Strategie-Papier der NATO „Towards a Grand Strategy for an Uncertain world“ mit verfasst hat.
Den hohen Gästen wird neben inhaltlicher Diskussion in der Congress Union Celle ein militärisches Rahmenprogramm geboten. Dazu gehörten in den letzten Jahren ein Konzert mit militärischem Ritual (Serenade) vom Heeresmusikcorps 1 der Bundeswehr vor dem Celler Schloss und der Besuch des Truppenübungsplatzes Munster (2009: NATO-Truppenübungsplatz Bergen), wo einige hundert Soldat_innen der 1.Panzerdivision für die Herren vom Celler Trialog ein wohl beeindruckendes Aufstandsbekämpfungsszenario inszenierten. Am Rande eines zunächst friedlichen Dorfes mussten sie plötzlich von Feldjäger_innen in Riot Gear (gepanzerte Schutzausrüstung) vor einer randalierenden Menge „Aufständischer“ gerettet werden. Anschließend durften die hochkarätigen Gäste unter Aufsicht auch mal mit dem G36-Gewehr schießen.

Der Celler Trialog steht für Krieg, Ausbeutung, Aufrüstung und zunehmende Militarisierung der Gesellschaft nach Interessen des Kapitals und der führenden Eliten, den Staat und seine Wirtschaftsordnung aufrecht zu erhalten. Wir wollen nun versuchen anhand des Celler Trialogs die relevantesten Facetten einer zunehmend militarisierten Gesellschafts- und Weltordnung aufzuzeigen.

1Ehrenkreuz in Gold für Klaus-Peter Müller; Pressemitteilung der Commerzbank AG 29.06.2005