„Die investive Schwäche des Staates zwingt uns dazu, Verbesserungen in der Truppe durch alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen.“ Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium Thomas Kossendey beim Celler Trialog 2007

Der „Rahmenvertrag“ für „Öffentlich-Private-Partnerschaft“ (ÖPP) zwischen Unternehmen und Bundeswehr vom 25. April 2000 beinhaltet u.a. die Planung der Privatisierung von Aufgabenfeldern, „die nicht zu den militärischen Kernfähigkeiten gehören“. Durch Abgabe einzelner Bundeswehrbereiche an Konzerne soll wirtschaftlicher gehaushaltet, und mit den so eingesparten Geldern das Rüstungsinventar modernisiert und ausgebaut werden. So heißt es im Bundeswehr Weißbuch von 2006: „Kooperationen mit der Wirtschaft bei Serviceaufgaben bis hin zu einer völligen Entlastung von Aufgabenfeldern, die der private Sektor günstiger erbringen kann, werden weiterverfolgt“. Am offensichtlichsten wird die gegenwärtige Tendenz zur Privatisierung des Krieges durch den Einsatz zahlreicher privater Söldner_innengruppen wie der US-amerikanischen Sicherheitsfirma Blackwater, die im Irak eng mit dem US-Militär zusammenarbeitet. Die Gesamtzahl dieser modernen Söldner_innen wird alleine im Irak auf 50.000 geschätzt, womit private Sicherheitsfirmen den zweit größten Anteil der Besatzungstruppen stellen. Doch auch Bereiche, die nicht direkte Kampfhandlungen umfassen, werden zunehmend privatisiert. Seit 2003 betreibt die Deutsche Post das Fracht- und Express-Geschäft unter dem Label DHL und ist weltweite Marktführerin für internationalen Expressversand, Überlandtransport sowie Luft- und Seefrachtbeförderung. Nach dem Einmarsch der USA und befreundeter Truppen in den Irak im Mai 2003 bot die DHL als erstes Unternehmen Logistikdienstleistungen an. Hauptkunde im Irak ist das US-Militär. Dadurch avancierte die DHL von einer reinen Profiteuerin des Irakkrieges zu einer unmittelbaren Kriegs- und Besatzungshelferin. Tatsächlich transportiert die DHL neben der Feldpost verschiedenste Güter, die vom US-Militär und ihren Subunternehmen gebraucht werden. Dazu benutzt DHL auch gepanzerte, unmarkierte Fahrzeuge. An wenigen, sichereren Orten liefert sie im gelben DHL-Fahrzeug aus. Zum Schutz wurden ehemalige britische Soldat_innen als Söldner_innen angeworben. Gemeinsam mit der Bundeswehr betreibt die Deutsche Post AG Feldpostämter in Afghanistan. Die Konzernmitarbeiter1, die als „Postsoldaten” von der Feldpost-Leitzentrale Darmstadt gesteuert werden, sind sämtlich Bundeswehr-Reservisten. Aber die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf harmlos klingende Feldpost. Rüstungsgüter verschiedenster Art gehören zum Geschäftsbereich „Military Affairs Bundeswehr/NATO“. Die Deutsche Post will das Geschäft mit Militärlogistik noch weiter ausbauen. Die Bundeswehr privatisiert große Teile des Transports und der Vorratshaltung. Konkret geht es um die Lagerung von Bundeswehrmaterial und den Transport von Kriegsgerät, Soldat_innen, Munition und Treibstoffen innerhalb der Bundesrepublik und an weltweite Kriegsschauplätze. Durch diese Privatisierung werden zivile Firmen und Dienstleister zu aktiven Akteuren und Profiteuren in Kriegen. Die DHL bewirbt sich um den bislang größten Auftrag der deutschen Transportbranche, der ein milliardenschweres Geschäft verspricht. Nicht zuletzt wegen ihrer Präsenz und Erfahrung aus den Kriegseinsätzen im Irak und in Afghanistan werden der DHL die besten Chancen eingeräumt. Mit einer Entscheidung über die Auftragsvergabe wurde bis Frühjahr 2009 gerechnet.
Durch die Privatisierung wesentlicher Bereiche der Kriegsführung gibt es immer mehr direkt am Krieg profitierende Unternehmen. Zukünftig wird es also eine stetig ansteigende Anzahl von Unternehmen geben, die ganz konkret ein Interesse daran haben, dass die Zahl kriegerischer Handlungen steigt, bzw. zumindest nicht abnimmt.

1Reservisten sind bisher nur Männer, da Frauen noch nicht lange genug zur Bundeswehr zugelassen sind um schon als Reservistinnen tätig zu sein.