Kundusaffäre – tote SoldatInnen – planfreies Bombardieren – Heldengedanken – ramponierte Soldatenmänner und Soldatenfrauen – Ablehnung des Kriegseinsatzes durch die Bevölkerung – Untersuchungsausschüsse – Beerdigungen – 8 Jahre Kriegseinsatz in Afghanistan – volle Bundeswehrkrankenhäuser – sinnloses Gemetzel – Rücktritt des ‚Verteidigungsministers‘ unbekannte, nie genannte afghanische Opfer ….
Das ist kein Widerspruch für die Führung der Bundeswehr, auch in diesem Jahr wieder zu „Europas schönstem Gartenfest“ einzuladen!
„LA LUNA“! Je blutiger das Gemetzel des Krieges, desto romantischer das Motto des Kriegsfestes
Am 07.August 2010 findet das 37.Sommerbiwak der 1.Panzerdivision statt
Die Bundeswehr sagt:
Unsere ‚1. Panzerdivision der Eingreifkräfte‘ verfügt seit 2009 über eine Stärke von rund 19.000 Soldatinnen und Soldaten: zu 80% Berufs- und Zeitsoldaten. Im Einsatz plant und führt „unsere Erste“ hochintensive, multinationale, vernetzte Operationen weltweit durch: sie ist 2011 Leitdivision in Afghanistan. Wir stellen Kräfte zur deutschen Beteiligung an NATO- und EU-Eingreifkräften bereit.
Aus der Idee, ein Sommerfest für Soldaten der 1. Panzerdivision mit dem zivilen Umfeld zu feiern, hat sich erfreulicherweise eine Traditionsveranstaltung entwickelt, die über einen großen Gästestamm verfügt und einen festen Platz im Terminkalender der Landeshauptstadt Hannover besitzt.
Wir sagen:
Dieser feste Patz im Terminkalender gehört abgeschafft. Die Stadt Hannover ist die einzige Landeshauptstadt, die sich eine Patenschaft mit einer Bundeswehrtruppe leistet. Seit 2 Jahren ist die Stadt sogar Mitveranstalterin des ‚Sommerbiwak‘. Damit verklärt auch Sie, was im offiziellen Jargon „hochintensive, multinationale, vernetzte Operationen“ genannt wird, im Klartext jedoch „militärischer Angriff“ ist.
Keine Feier mit der 1. Panzerdivision! Kein Frieden mit der Bundeswehr!
Jahrelang hat die Politik behauptet, unsere SoldatInnen kämpften für Demokratie, Freiheit und Frauenrechte. Inzwischen wird Klartext geredet; nicht nur in den „verteidigungspolitischen Richtlinien“ oder „Weißbüchern“:
In dem von Commerzbank und 1. Panzerdivision initiierten Celler Appell heißt es: „Als rohstoffarmes, exportorientiertes Land ist Deutschland auf Stabilität und Sicherheit angewiesen.“
Und als sich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, “Verteidigungsminister“ von Guttenberg mit den 30 führenden deutschen Managern traf, sei es vor allem um „sicherheitspolitische Aspekte“ gegangen, etwa um die Sicherheit wichtiger Ressourcen wie Öl und Gas, um den Schutz von Handelswegen und natürlich auch um Afghanistan.
Da war es auch kein Fauxpas, als Ex- Bundespräsident Horst Köhler betonte, „dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege.“
Diese Interessen weltweit durchzusetzen, bedeutet weltweit Krieg zu führen, ein Krieg, der die Form der Aufstandsbekämpfung annimmt. Diese Form des Krieges ist die mit den höchsten Opferzahlen in der Zivilbevölkerung. Die offizielle Sprache ist verräterisch. Von „Vernichtung der In’s“ (Insurgents) redete der deutsche Oberst Klein nach der Bombardierung der Tanklaster. Von „feigen hinterhältigen Anschlägen“ reden die Politiker nach Aktionen gegen das deutsche Militär. Das ist die gleiche Sprache, wie die der Wehrmacht bei der Partisanenbekämpfung. Es ist die gleiche Sprache, wie die der Franzosen in Algerien und es ist die gleiche Sprache, wie die der USA in Vietnam.
Während Politik und Militär den Beginn des Rückzuges aus Afghanistan für das Jahr 2011 behaupten, schaffen sie gleichzeitig zunehmend schweres Kriegsgerät wie Panzerhaubitzen und Panzerabwehrraketen dorthin. Die Gewaltspirale dreht sich immer schneller: Deutschland führt Krieg am Hindukusch!
Gewöhnung an deutsche Kriegseinsätze
Trotz aller Kritik an deutschen Kriegseinsätzen: im Alltag betreffen sie uns bisher kaum. Der Krieg ist weit weg. Mit militärstrategischen Debatten wird die Wirklichkeit des Krieges wegrationalisiert.
Und wenn Särge mit toten Soldaten zurückkommen, wird mit Trauerfeiern, Pathos, Heldengedenken und „Dankbarkeit und Anerkennung“ nicht gespart. Kanzlerin und ‚Verteidigungsminister‘ erklären herablassend den Angehörigen der Toten, wie wichtig ihr Tod fürs Heimatland war. „Ruht in Frieden, Soldaten, und seid in Gottes Segen geborgen“, so Guttenberg.
Damit wird versucht, die Bevölkerung auf mehr Tote und härtere Einsätze einzuschwören. Und wer dies kritisiert, wird der Empathielosigkeit oder gar der Menschenverachtung bezichtigt, als seien die KritikerInnen für den Tod in Afghanistan und anderswo verantwortlich.
Ablehnung allein verändert nichts:
> Wer es falsch findet, dass Krieg als ein übliches Mittel der Außenpolitik betrachtet wird, muss etwas dagegen tun.
> Wer für den sofortigen Rückzug der deutschen Soldaten aus ihren weltweiten Kriegseinsätzen ist, sollte dem Ärger öffentlich Gehör verschaffen.
> Wer denkt, dass ein Etat von 31 Milliarden Euro besser für Anderes als Krieg ausgegeben werden sollte, muss auf die Straße gehen!
> Wer nicht will, dass, im Namen aller HannoveranInnen, die Stadtregierung die BW hofiert, muss öffentlich protestieren!
> Wer gegen die kriegerische Normalität ist, muss Widerstand leisten!
Wer schweigt, stimmt zu!
Sagt mit uns als antimilitaristische Bewegung deutlich ‚Nein’ dazu, dass sich die1. Panzerdivision in die Öffentlichkeit drängt. Versuchen wir, sie in ihre Kasernen zurückzuverweisen, ihnen die Legitimität zu entziehen.
Wenn der hannoversche Oberbürgermeister in seinem alljährlichen Grußwort zum Sommerbiwak erklärt, dies sei eine ausgezeichnete Möglichkeit die Beziehungen zwischen Wirtschaft, Militär und Politik zu pflegen und zu verbessern, so hat er recht: hier kommt zusammen, was zusammen gehört.
Wenn am 07. August 2010 die 1. PD mit 6000 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Militär feiern will, dann ist dies unsere Möglichkeit, diejenigen, die von Krieg und Ausbeutung profitieren, mit sichtbarem und hörbarem Protest und Widerstand zu konfrontieren..
Sie feiern, damit sie Krieg führen können! Vermiesen wir ihnen ihr Fest!
Schluss mit dem Sommerbiwak der 1. Panzerdivision!
Sofortige Aufkündigung der Patenschaft Hannovers mit „der 1.“!
Bundeswehr raus aus Afghanistan!
Antimilitaristischer Aktionskreis Region Hannover (AMAK)
Kundgebung vor dem HCC 17:30 h – 19:00 h
Danach Demonstration in die Stadt