Das Sommerbiwak der 1. Panzerdivision Hannover

Am 22.08.2008 feiert die 1.Panzerdivision zum 35. Mal ihr Sommerbiwak. An diesem Tag wird rund um das Congress Centrum Hannover einen Aktionstag gegen Krieg, Militarisierung und das Sommerbiwak stattfinden. Auf dieser Unterseite findet ihr zunächst aktuelle Meldungen, den Aufruf zum Sommerbiwak 2008 und eine Vorstellung der einzelnen Aktivitäten. Weiter unten findet ihr dann auch Karten, weiteres Material und einen Kontakt zur Pennplatzbörse. Außerdem gibt es eine Infotour zum Sommerbiwak und unserem Aktionstag. Ebenfalls weiter unten findet ihr die Termine für die jeweiligen Orte an denen Veranstaltungen stattfinden und eine Kontaktadresse wenn ihr auch bei euch eine Veranstaltung haben wollt.
Und dann gibts ganz unten auch noch das Programm fürs Friedensbiwak und einen Text zu der Geschichte des Widerstands gegen das Sommerbiwak.

OBERVERWALTUNGSGERICHT ERLAUBT DEMOROUTE, DIE AM STADTPARK VORBEIGEHT!!!
Das OVG hat entschieden, dass die Demo, die gegen 19 Uhr den Theodor-Heuss-Platz verlässt, die Clauswitzstraße entlanggehen darf! So kann unser Protest lautstark die feiernden MilitaristInnen errreichen!


VERTEIDIGUNGSMINISTER JUNG KOMMT ZUM SOMMERBIWAK

DER 1. PANZERDIVISION UND IHREN HOHEN GÄSTEN DAS SOMMERBIWAK VERMIESEN!

Das Friedensbiwak wird im Raschplatzpavillon stattfinden
Das heißt natürlich nicht, dass wir das repressive Vorgehen der Stadt Hannover einfach so hinnehmen. Es ist weiterhin eine ungeheuerliche Vorgehensweise der Stadt, dass die Beteiligung an angemeldeten Demonstrationen als Kündigungsgrund für öffentliche Räume herhalten muss. Sobald wir die Kündigung schriftlich haben werden wir rechtliche Schritte prüfen.
Aber es gibt mittlerweile eine Zusage vom Pavillon am Raschplatz als Ausweichmöglichkeit zu Verfügung zustehen.
Unser Aktionstag am 22. August wird einschließlich des Friedensbiwak stattfinden. Weiterlesen Stadt verbietet Friedensbiwak

Aufruf Sommerbiwak 2008:
KEINE FEIER MIT DER 1. PANZERDIVISION!
KEIN FRIEDEN MIT DER BUNDESWEHR!

Am 22.08. findet im Stadtpark am Hannoverschen Congress Centrum das 35. Sommerbiwak der 1. Panzerdivision statt.
Die erste Panzerdivision ist nicht irgendeine Truppe des deutschen Heeres. Sie ist mit der Umgestaltung der Bundeswehr zu einer weltweit einsetzbaren Interventionsarmee die Eingreifdivision des deutschen Heeres geworden. Sie ist demnach zuständig für Angriffskriege.
Dafür ist die Divisionsstärke von 10.000 auf 19.000 SoldatInnen aufgestockt worden. Um die Einsatzfähigkeit zu erhöhen, besteht die Division fast ausschließlich aus Berufs- und ZeitsoldatInnen.
Momentan sind 4.500 dieser SoldatInnen auf drei Kontinenten im Auslandseinsatz. Die „Schnelle Eingreiftruppe“, mit der die BRD ihren Afghanistaneinsatz ausweitet, setzt sich aus Einheiten der 1. Panzerdivision zusammen.
Aber auch im Inneren ist die 1. Panzerdivision an vorderster Front: Fennek-Spähpanzer waren im Juni 2007 rund um den G8-Gipfel gegen GlobalisierungskritikerInnen im Einsatz.

Was ist das Sommerbiwak?
Ein rauschendes Fest der 1. Panzerdivision soll es sein: Mit einer bunten Mischung aus Kleinkunst, Bühnenshow, Tanz, Illumination und pompösem Feuerwerk wollen 6.500 geladene Gäste aus Militär, Politik und Wirtschaft feiern. Wohl unvermeidlich sind auch die Grußworte von Hannovers Oberbürgermeister Weil, in denen er die Verbundenheit der Bevölkerung mit der 1.Panzerdivision behaupten wird. Denn Hannover ist deren Patenstadt. Hannover ist die einzige Landeshauptstadt, die derart innige Beziehungen zu einem Großverband der Bundeswehr pflegt – was eines gewissen Zynismus nicht entbehrt: ist sie doch gleichzeitig Partnerstadt von Hiroshima und Mitglied des BürgermeisterInnenverbandes „Mayors für Peace“.
Damit das Ganze auch finanziert werden kann, bedarf es noch einer Reihe von Werbesponsoren. Mit dabei sind derzeit sowohl die Volkswagen AG und die Herrenhäuser Brauerei als auch öffentliche Betriebe wie der Großraum Verband Hannover.

Warum findet dieses Fest statt?

Eine Armee im Einsatz, so sagen es Militärs und ihre SoziologInnen selbst, braucht die aktive Unterstützung der Bevölkerung.
Um diese Unterstützung zu bekommen, lässt sich die Bundeswehr eine Menge einfallen: von Beach-Volleyball-Turnieren bis zu öffentlichen Gelöbnissen, von Tagen der offenen Tür bis zu Auftritten auf Messen und Marktplätzen. Nicht zu vergessen die Werbeveranstaltungen an Schulen und Arbeitsämtern, bei denen sie sichere Jobs mit guter Bezahlung verspricht.
Der Sinn des Sommerbiwaks ist es, immer wieder die aktive Unterstützung der gesellschaftlichen Eliten für das deutsche Militär zu demonstrieren.
Hannovers ehemaliger Oberbürgermeister Schmalstieg hat dies in seinem Grußwort einmal so zusammengefasst: „Dieser Rahmen ist alljährlich ein hervorragender Anlass, die guten Kontakte zwischen Bundeswehr, Wirtschaft und Politik noch weiter zu vertiefen.“

Wer also meint ‚Sollen sie doch besser feiern als Krieg führen’, der irrt. Sie feiern, damit sie Krieg führen können!

Wozu intervenieren Sie?
Die Transformation der Bundeswehr zu einer weltweit einsetzbaren Interventionsarmee ist weder dem Zufall noch dem bösen Willen einzelner PolitikerInnen geschuldet. Angesichts knapper werdender Ressourcen und einer Weltwirtschafts(un-)ordnung, die für immer größere Teile der Welt Hunger und Elend bereit hält, etabliert der „Westen“ unter dem Vorwand der Terrorabwehr eine Sicherheitsarchitektur, die zunehmend militarisiert wird. Die Abschottung nach Außen – mit Grenzregimen, Zäunen, Mauern und Lagern – korrespondiert dabei mit weltweiten Interventionen, die den Zugriff auf „unsere“ Rohstoffe und die Freiheit der Handelswege sichern sollen. Zivile Möglichkeiten der Entwicklungshilfe und der Politik werden zunehmend an die militärischen Erfordernisse angepasst und diesen untergeordnet. Humanitäre Anliegen verkommen zur bloßen Propaganda, denn diese Sicherheitsarchitektur hält die weltweiten Verhältnisse, die Hunger und Elend hervorbringen, aufrecht, statt sie zu verändern.
Die weltweiten Interventionen sind Teil des Problems, nicht dessen Lösung.

Nicht in unserem Namen!
An vielen Orten hat die zunehmende Militarisierung zu zunehmendem Widerstand geführt.
Um nur einige Beispiele zu nennen:
In der Kyritz-Ruppiner Heide hat der kontinuierliche Protest Tausender das Entstehen von Europas größtem Bombenabwurfplatz bisher verhindert.
In München demonstrieren Jahr für Jahr Zigtausende gegen die NATO-Sicherheitskonferenz.
Gegen Rekrutierungsveranstaltungen der Bundeswehr in Arbeitsagenturen leistet in verschiedenen Städten die Initiative „Bundeswehr Wegtreten“ Widerstand.

Wir haben das Auftreten der 1. Panzerdivision in Hannover wiederholt öffentlich angegriffen. Wir haben gegen das Sommerbiwak demonstriert, sind gegen ihr Adventskonzert in der Marktkirche vorgegangen, haben gegen die Patenschaft der Stadt Hannover und die feierliche Verabschiedung durch den Landtag protestiert.

Gemeinsam rufen wir auf zu einem Tag des Protestes und der Gegenöffentlichkeit gegen das Sommerbiwak der 1. Panzerdivision. Mit Kundgebungen, Demonstrationen, einem Friedensbiwak und Aktionen wollen wir uns der Propagandaveranstaltung für das Militär in Hannover entgegenstellen.
Wir wollen das Militär und seine Gäste bei An- und Abreise mit dem konfrontieren, was sie so gerne verschweigen, aber dennoch tun: Krieg führen!
Wir wollen mit einem „Friedensbiwak“ ein Zeichen der Opposition gegen Krieg und Militär setzen. Unsere Freiheit gemeinsam Widerstand zu leisten – werden wir uns nicht nehmen lassen.

Unser Ziel ist es, die 1. Panzerdivision aus der Öffentlichkeit zu drängen, Interventionskriege unmöglich zu machen – letztlich die Bundeswehr abzuschaffen.

Antimilitaristischer Aktionskreis Hannover

Zu den Aktionen rufen auf:

AK Antimilitarismus in Alerta, Ak Regionalgeschichte, AnGrY (Anarchist Group of Young People), Antifaschistische Aktion Hannover (AAH), Anti-G8 Soligruppe, Attac-Hannover, Avanti Hannover, DFG/VK-Hannover, DKP-Hannover, Fraktion DIE LINKE im Rat der Landeshauptstadt Hannover, Friedensbüro, Infoladen Kornstraße, Kino im Sprengel, Rote Aktion Kornstraße (RAK), Schwule Sau, SDAJ-Hannover und Landesverband Niedersachsen, Solid

Der Aktionstag im Einzelnen:
DER AKTIONSTAG AM 22: AUGUST
SOMMERBIWAK VERMIESEN!

17:00 Uhr, Kundgebung und Demonstration Theodor-Heuss-Platz
Den Auftakt zu unserem Aktionstag gegen Krieg, Militarisierung und das Sommerbiwak bildet um 17:00 Uhr die Kundgebung vor Hannovers Congress Centrum (HCC).
Gleichzeitig wird sich die High-Society Hannovers herausgeputzt auf den Weg zu „Europas schönstem Gartenfest“ machen. Da sich der Stadtpark in dem die hauptsächlichen Aktivitäten stattfinden, direkt hinter dem HCC befindet, werden die anreisenden Eliten aus Politik, Wirtschaft und Militär wohl oder übel an unserer Kundgebung vorbeikommen müssen.
Dabei wollen wir sie das erste Mal an diesem Tag damit konfrontieren, was sie gerne vergessen, aber trotzdem tun: Kriege führen!
Kreativ, laut und entschlossen wollen wir ihnen den Auftakt zu ihrem Sommerbiwak vermiesen und ihnen unsere Verachtung und Wut entgegenschleudern.
Transparente, Parolen und Redebeiträge konfrontieren die Gäste mit dem Grauen des Krieges.
Kleine Gruppen von DemonstrantInnen bewegen sich außerhalb des Kundgebungsortes, verteilen Flugblätter beschimpfen BiwakbesucherInnen direkt, oder bleiben „blutverschmiert“ auf dem Weg zum Stadtpark liegen.
Die Clownsarmy schirmt die Gäste militärisch vom Pöbel ab und schon die Parkplätze und Bahnstationen, an denen die BiwakbesucherInnen ankommen, werden von AntimilitaristInnen belagert. Unsere Kundgebung soll viele Möglichkeiten bieten, um auf unterschiedlichste Art und Weise die Anreise für die Gäste des Sommerbiwaks zum Spießrutenlauf zu machen.
Gegen 19:00 Uhr, wenn der Großteil der Gäste im Stadtpark angekommen ist, werden wir diesen Schauplatz erst einmal verlassen, den Stadtpark umkreisen und uns geschlossen in einer Demonstration zum Friedensbiwak bewegen.

19:30 Uhr Friedensbiwak im Pavillon am Raschplatz
Wir wollen mit einem „Friedensbiwak“ ein Zeichen der Opposition gegen Krieg und Militär setzen.
Dazu wird es im und um das Pavillon Informationen zur 1. Panzerdivision und der BRD im Krieg geben und die verschiedenen, am antimilitaristischen Widerstand beteiligten Gruppen haben Raum sich und ihre Arbeit vorzustellen.
Auch für ein kulturelles Rahmenprogramm wird gesorgt sein.
Gleichzeitig soll das „Friedensbiwak“ als Rückzugs-und Vorbereitungsraum für weitere Aktionen dienen.
Deshalb wird es dort eine Volxküche, eine Pennplatzbörse, Kontakt zum Ermittlungsausschuss (EA) und einen Infopunkt geben. Neben dem Infopunkt, an dem Kartenmaterial usw. zur Verfügung steht, wird es auch noch eine „Aktionsmaterialausgabestelle“ geben, an der sich Leute mit Lärmgerät, Verkleidung, Transparenten und ähnlichen „Protestutensilien“ für den Abend ausrüsten können.
Wenn ihr von Außerhalb kommt, könnt ihr euer Gepäck schon ab 15:30 uhr ins Pavillon am Raschplatz, direkt hinter dem HBf bringen. Dort wird zwischen den Demos das „Friedensbiwak“ stattfinden, und von dort kann euer Gepäck ins UJZ Korn gefahren werden. Das UJZ Korn ist in der Nordstadt wo auch die meisten Pennplätze sein werden. Die Korn wird nach den beiden Demos geöffnet sein. Sodass ihr euer Gepäck direkt hinterm Bahnhof abgeben und nach den beiden Demos in der Korn wieder abholen könnt. Hompages der beiden orte mit Wegbeschreibungen:
www.pavillon-hannover.de
www.ujz-korn.de

22:00 Uhr Demonstration zum Stadtpark
Mit dieser Demonstration wollen wir erneut mit möglichst vielen Menschen zum Stadtpark gehen, um die Gäste auch bei ihrer Abreise noch einmal zu belästigen und mit unserem Widerstand zu konfrontieren. Die Demonstrationsroute wird dabei vom Ort des Friedensbiwaks, starten und voraussichtlich durch das Zooviertel bis zum Stadtpark führen.
Wir wollen zum Ende des Feuerwerks, wenn der Abreiseverkehr beginnt, am Stadtpark ankommen.
Dort soll es unterschiedlichste Möglichkeiten geben, aktiv zu werden.
Ob in der eigenen Bezugsgruppe mit einem vorher ausgetüftelten Plan oder als Teil von vorbereiteten Aktionen, ob mit selbst mitgebrachtem Material oder mit Hilfe der vorher ausgeteilten „Protestutensilien“, ob bunt verkleidet oder in schwarz, ob stinkend, laut oder wild schimpfend – alles ist erwünscht und für Jede/n soll etwas dabei sein.

Kommt zahlreich zum Aktionstag gegen das Sommerbiwak

Kein Frieden mit der Bundeswehr!

Rote Aktion Kornstraße (RAK), Antifaschistische Aktion Hannover (AAH), AnGrY (Anarchist Group of Young People), AK Antimilitarismus im libertären Netzwerk Alerta

Karten und Material

Satellitbild Umgebung des HCC bei google Maps

Anfahrtsplan HCC als pdf

Lage und Orientierungsplan HCC als pdf

Offizielle Fotos Sommerbiwak 2007

Offizielle Homepage des Sommerbiwaks

Pennplatzbörse
Wenn ihr am 22. August nach Hannover kommt und einen Pennplatz braucht meldet euch doch bitte kurz und sagt mit wievielen Leuten ihr kommt. Wir kümmern uns dann darum, dass ihr alle untergebracht werdet.
Wenn ihr von Außerhalb kommt, könnt ihr euer Gepäck schon ab 15:30 uhr ins Pavillon am Raschplatz, direkt hinter dem HBf bringen. Dort wird zwischen den Demos das „Friedensbiwak“ stattfinden, und von dort kann euer Gepäck ins UJZ Korn gefahren werden. Das UJZ Korn ist in der Nordstadt wo auch die meisten Pennplätze sein werden. Die Korn wird nach den beiden Demos geöffnet sein. Sodass ihr euer Gepäck direkt hinterm Bahnhof abgeben und nach den beiden Demos in der Korn wieder abholen könnt. Hompages der beiden orte mit Wegbeschreibungen:
www.pavillon-hannover.de
www.ujz-korn.de

pennplatz@web.de

Infotour
Zu dem Aktionstag gegen Krieg, Militarisierung und das Sommerbiwak am 22. August 2008 gibt es eine Infotour.
Die Infotourveranstaltung beinhaltet mehrere Teile zur Transformation der Bundeswehr, der Rolle der 1. Panzerdivision Hannover, antimilitaristischen Interventionsmöglichkeiten, Widerstandspraxis, dem Sommerbiwak und natürlich den geplanten Aktionstag am 22. August.

Termine

Mi. 20.08.2008 auf dem Antira/Klima- Camp in Hamburg enfällt
Mi. 20.08.2008 19 Uhr Bunteshaus Celle

Vorläufiges Programm Friedensbiwak (Stand 13.08.08):

19:30 1. Begrüßung, Programmvorschau
anschließend Musik (Holger Kirleis: 10 Minuten, Peace Development Crew: 10 Minuten)
19:50 2. Begrüßung, Programmvorschau
20:00 Hubert: Tucholsky-Text
20:05 – 20:15 Reiner Braun zu Demo am 20. September, Afghanistan-Kongress, „Truppen raus aus Afghanistan“
20:20 – 20:30 Hubert: Antikriegstexte
20:30 – 20:45 Jan Egge Sedelies (&Costa?): antimilitaristische Texte
20:45 – 20:50 Holger Kirleis
20:50 – 21:00 Gespräch mit Liljana Werner (IPPNW) über Jugoslawienkrieg, Uran-Munition
21:00 – 21:10 Wulf Hühn: Chansons
21:10 – 21:20 Gespräch mit afghanischen Frauen (noch nicht sicher)
21:25 – 21:35 Holger Kirleis
21:35 – 21:55 Peace Development Crew
21:55 – 22:00 Schlussworte, Aufruf/Hinweise zur Demo …

Geschichte des Widerstands gegen das Sommerbiwak
von: Antimilitaristische Infotour

Am 22. August ist es wieder soweit: Die 1. Panzerdivision feiert ihr Sommerbiwak. Zum 35sten mal wird der Stadtpark zum Tummelplatz der Militärs. Es werden wieder Tarnnetze in die Bäume gehängt, ein Orchester spielt zum Tanze auf, VW präsentiert seine teuersten Modelle. Das Sommerbiwak soll für die Anwesenden ein recht unterhaltsamer Abend werden: Mit einer bunten Mischung aus Kleinkunst, Bühnenshow, Tanz, Illumination und pompösem Feuerwerk. 6.500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Militär feiern mit der Lokalprominenz und dutzenden Hofnarren ihr rauschendes Fest unter muffigen Tarnnetzen, im Schein der Fackeln, begleitet vom Schmiss fleißiger Militärkapellen, die mottogetreu einen ”Sommernachtstraum” in den lauen Sommerabend tröten und trommeln.
Wohl unvermeidlich sind auch die Grußworte des hannoverschen Oberbürgermeisters Weil, in denen die Verbundenheit der Bevölkerung mit der 1. Panzerdivision behaupten wird.
Das jährliche Sommerbiwak ist der öffentlichste Ausdruck dieser Verbrüderung von Militär und Stadtregierung.
Damit der ganze Humbug auch finanziert werden kann, schließlich sind auch in Hannover die Kassen knapp und die Bundeswehr hat nur 30 Milliarden zur Verfügung, bedarf es einer Reihe von Werbesponsoren. Der größte ist VW, da besteht die Konzernleitung höchst persönlich drauf. Aber auch die hannoversche Herrenhäuser-Brauerei oder öffentliche Betriebe, wie der Großraum Verband Hannover wollen sich präsentieren. Eine Reihe Hotels bieten Vergünstigungen für Gäste des Sommerbiwaks an und das eine oder andere Lokal bewirbt sich gerne im Programmheft.
Der Sinn des Sommerbiwaks ist es, immer wieder die aktive Unterstützung der gesellschaftlichen Eliten für das deutsche Militär zu demonstrieren.
Hannovers ehemaliger Oberbürgermeister Schmalstieg hat dies in einem Grußwort mal so zusammengefasst: „Dieser Rahmen ist alljährlich ein hervorragender Anlass, die guten Kontakte zwischen Bundeswehr, Wirtschaft und Politik noch weiter zu vertiefen.“
Und diese guten Kontakte braucht es, um Krieg führen zu können.
Wer also meint, „Sollen sie doch besser feiern als Krieg führen“, der irrt. Sie feiern, damit sie Krieg führen können!
Das Sommerbiwak fand jahrzehntelang ohne die Aufmerksamkeit einer antimilitaristischen Linken statt.
Das liegt auch daran, dass erst seit Deutschland am Hindukusch verteidigt wird, solche Propagandaveranstaltungen eine angemessene mediale Aufmerksamkeit genießen – der Madsack-Verlag, der die beiden hannoverschen Tageszeitungen herausgibt, gehört übrigens auch zu den Unterstützern des Biwaks und gibt zu dem Anlass auch ein Extrablatt für die Gäste heraus.
Aber dank der Lokalpresse haben auch wir vor 3 Jahren endlich mitbekommen, dass sich einmal im Jahr 6.500 Militaristen und Militaristinnen in Hannover versammeln. Wir danken also für die Berichterstattung.
2005 haben wir uns mit ca. 15 Leuten vor den Eingang gestellt und solange gegen die prügelnden Feldjäger durchgehalten, wie es eben nur ging. Es war das Erste mal, dass sich die Anwesenden mit Protest konfrontiert sahen – um so aggressiver reagierten sie auf unsere Blockade.Obwohl wir nicht Viele waren und die Aktion nicht lange dauerte, war uns schnell klar, dass sich hier ein hervorragender Angriffspunkt gegen das öffentliche Auftreten der Bundeswehr bietet. Das hat uns Mut gemacht, die Panzerfreunde genau dort auch wieder zu belästigen.
Im nächsten Jahr waren wir schon 150 Leute. Wir haben eine Demo vom Sitz der 1. Panzerdivision bis vor den Haupteingang des Kuppelsaales, der auch der Eingang zum Sommerbiwak ist, durchgeführt und dort eine Kundgebung abgehalten.
Ziel war es, diese Kundgebung so offensiv wie möglich zu gestalten. Wir wollten die Dame mit Hut und den Herrn im Frack mit dem konfrontieren, was sie da abfeiern: Krieg. Mit Soundcollagen, Musik, Transparenten und Redebeiträgen wurden die Anreisenden belästigt. Es ging nicht darum, hier irgendjemandem die Welt zu erklären. Eine widerständige Kundgebung, die eine direkte Belästigung für die heraneilenden Kriegsfreunde darstellt – so wollten wir das. Allerdings haben die Bullen es uns nicht leicht gemacht: Wir mussten die Kundgebung in einem gitterumzäunten Karree abhalten, dass ca. 30 Meter vom Haupteingang des Biwaks entfernt ist. Es gab auch sehr repressive Auflagen, was die Benutzung von Lautsprechern und Lärminstrumenten angeht. Der Erfolg 2006 hatte uns Mut auf mehr gemacht.
So entwickelte sich im vergangenen Jahr ein Bündnis aus autonomen Gruppen mit Gruppierungen aus dem friedenspolitischen Spektrum.
Es wurden 2 Demos angemeldet und eine Art Umzingelungstaktik versucht – leider mit mäßigem Erfolg. Es beteiligten sich zwar noch mal etwas mehr Leute, aber es gelang im Wesentlichen nicht noch effektiver zu stören. Es gab aber auch Erfolge und eine Weiterentwicklung des Widerstandes: Es fanden im Vorfeld eine Critical Mass-Aktion, eine Fahrraddemo und weitere kleinere Aktionen statt. Außerdem war die Etablierung des Bündnisses ein wichtiger Fortschritt.
2007 war es uns auch gelungen, den Widerstand gegen das Sommerbiwak in Hannover zu verankern und ihn zum festen Bestandteil linker und linksradikaler Aktivität werden zu lassen. Auch ist es gelungen, über Hannover hinaus deutlich zu machen, dass Antimilitarismus hier politisch was bewegt. Deswegen trauen wir uns 2008 auch an eine überregionale Mobilisierung