Archiv für Mai 2012

Gedenkveranstaltung für die auf dem Gelände der Emmich-Cambrai-Kaserne hingerichteten Deserteure

30 Teilnehmer_innen gedachten heute vor dem Haupttor der Emmich-Cambrai-Kaserne der auf dem Schießplatz der Kaserne hingerichteten Deserteure des letzten Weltkrieges. Die Gedenkveranstaltung umfasste einen Text von Tucholsky, das Verlesen der bisher bekannten Namen der dort erschossenen Deserteure und Auszüge aus Lebensberichten und Briefen eines Deserteurs kurz vor seiner Hinrichtung. Mit dem Niederlegen von Blumen und dem Hinterlassen einer Erinnerungstafel endete die Gedenkveranstaltung.
Wir meinen, mit dieser Gedenkveranstaltung und der vorherigen Öffentlichkeitsarbeit den Deserteuren ein würdiges Andenken bereitet zu haben. In einleitenden Worten wurde aber auch deutlich, dass das Gedenken einen ‚politischen Charakter‘ hatte, wie der Kommandeur der Kaserne richtig vermutete und damit u. a. das Verbot der Veranstaltung auf dem
Kasernengelände begründete.
Es ging den Veranstalter_innen darum, mit dem Gedenken die Botschaft weiterzutragen, dass es für eine Welt zu kämpfen gilt, in der niemand mehr wegen des Verweigerns des Kriegsdienstes sterben muss. Die Kaserne mit ihrer militaristischen Tradition und der Ausbildung von Feldjägern für Aufstandsniederschlagung in aller Welt ist für uns nicht nur ein ‚historischer Ort‘, sondern auch Teil des gegenwärtigen Militarismus: gegen Kriege in aller Welt! Gegen die deutsche Beteiligung an vielen dieser Kriege!

Homepage zu Deserteuren in und aus Hannover

kund friedensb

29. Juni Sommerbiwak vermiesen!

39. Kriegsspektakel im Stadtpark

Sie hören nicht auf!
Sie hören nicht auf damit, Kriege zu feiern.
Immer und immer wieder feiert die 1. Panzerdivision ihr „Sommerbiwak“. Zusammen mit
Repräsentant_innen aus Politik und Wirtschaft feiern sie, damit sie Krieg führen können. Dieses Jahr findet die Feier am 29. Juni statt.

Sie verändern viel!
Die 1. Panzerdivision soll nach Oldenburg abziehen. Dieser Umzug ist aber nur ein weiterer Teil der Umstrukturierung der Bundeswehr zu einer Interventionsarmee. Und auch wenn die 1. Panzerdivision nach Oldenburg umzieht, bleiben ihre Einheiten in Munster und Luttmersen/Neustadt a. Rbg. In Wunstorf ist der Ausbau des Fliegerhorstes zum Drehkreuz für weltweite kriegerische Interventionen in vollem Gange. Mit der neuen Feldjägerschule befindet sich in Hannover ein Zentrumg der Ausbildung von in- und ausländischen Militärs zur Aufstandsbekämpfung.

Sie reden auch viel!

Mit dem Umbau zur Berufsarmee sieht sich das Militär gezwungen, mehr für sich zu werben. An Schulen versuchen sie, Schüler_innen zu überreden, sich rekrutieren zu lassen. In Arbeitsagenturen werden junge Arbeitsuchende durch „sichere“ Ausbildungen und Jobs geködert. Durch Marketing versuchen sie, ihr Kriegshandwerk schön zu reden.
Sie reden auch vom Abzug aus Afghanistan. Während die Regierungen der Nato-Staaten vom „Abzug“ und der „Übergabe der Verantwortung an die afghanische Regierung“ reden, eskaliert der Krieg.

Sie produzieren auch viel.
Die deutsche Kriegsindustrie ist inzwischen drittgrößter Rüstungsexporteurin der Welt. Sie
verdienen am Krieg.

Wir hören nicht auf!
Wir hören nicht auf mit unserem Widerstand und Protest gegen alle öffentlichen Aktivitäten und Auftritte der Bundeswehr.
Wir hören nicht auf damit, die Besucher_innen des Sommerbiwaks mit unserem Widerstand und Protest zu konfrontieren.
Leisten wir überall Widerstand gegen die Kriegsschauplätze – egal ob am Fliegerhorst in Wunstorf, an der Feldjägerschule in Hannover oder bei der ersten Panzerdivision in Oldenburg!

Darum:
Aufzug statt Abzug – laut, bunt, mit Tammtamm, Dschingderassa und großem Hallo und Tschüss!
Sofortiger Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und anderswo!
Keine Rüstungsproduktion!
Keine Interventionsarmee!
Keine Bundeswehr!

De­mons­tra­ti­on und Kund­ge­bung am Tag des Som­mer­bi­wak:
- 16.​30 Uhr Kröp­cke Auf­takt und De­mostart­punkt
- 18.​00 Uhr Kund­ge­bung HCC
- 19.​30 Uhr Freun­dal­lee Ab­schluss­kund­ge­bung

15. Mai Gedenkkundgebung für Deserteure und Wehrkraftzersetzer

Bundeswehr verschleppt Entscheidung. Friedensinitiativen wollen den in Hannover hingerichteten Deserteuren des Zweiten Weltkriegs am Ort der Hinrichtung würdig gedenken.

HAZ-Artikel dazu

Anfang März wandten sich der Verein Friedensbüro Hannover e.V. und die Initiative für ein Deserteursdenkmal in Hannover gemeinsam an die Feldjägerschule der Bundeswehr. Ziel der Anfrage war es, am 15. Mai 2012, dem Internationalen Tag des Kriegsdienstverweigerers, auf dem Gelände der Emmich-Cambrai Kaserne würdevoll denjenigen zu gedenken, die dort als Deserteure oder Wehrkraftzersetzer durch die NS-Militärjustiz hingerichtet wurden. Unser Interesse ist es, denjenigen angemessen zu gedenken, die sich der Nazi-Diktatur und ihrem Angriffskrieg verweigerten und widersetzten.
Wie inzwischen nachgewiesen, wurden auf dem Gelände, auf dem sich heute die Feldjägerschule der Bundeswehr befindet während der Nazi-Diktatur Menschen standrechtlich erschossen. Sie wurden von der NS-Militärjustiz wegen „Fahnenflucht“ oder „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Für 15 Soldaten der Wehrmacht ist dies belegt (Buchterkirchen, 2011), aktuelle Schätzungen gehen von bis zu 43 Soldaten aus (Trolp, 2010).
Auf die Anfrage wird jedoch von Seiten der Bundeswehr mit Verzögerung reagiert – womöglich um den 15. Mai ohne Entscheidung verstreichen zu lassen. Der Kasernenkommandant antwortete auf die Anfrage der beiden Friedensgruppen, dass er nicht zuständig sei, da das Anliegen vermeintlich „prinzipielle Bedeutung“ habe. Das Bundesministerium für Verteidigung solle entscheiden. Ein weiteres Erläuterungsschreiben der Friedensgruppen, in dem dargelegt wurde, dass die „prinzipielle Bedeutung“ durch den Bundestag geklärt ist (der Deutsche Bundestag hat mit Beschlüssen vom 28.05.1998, 17.05.2002 und 08.09.2008 alle Opfer der NS-Militärjustiz rehabilitiert und damit auch das Unrecht anerkannt; die Hinrichtungen sind wissenschaftlich belegt) und die rechtliche Grundlage damit klar ist, wurde vom Kasernenkommandanten nicht berücksichtigt.
Wir sind empört über diese Verzögerungstaktik, die offensichtlich verhindern soll, dass den Deserteuren des Zweiten Weltkriegs, die auf dem Gelände der Emmich-Cambrai Kaserne hingerichtet wurden, würdig gedacht werden kann!
Wir werden am 15. Mai um 17.00 Uhr zur Emmich-Cambrai-Kaserne gehen um auf dem Gelände den wegen Desertion, Wehrkraftzersetzung und Kriegsverrat hingerichteten Menschen würde- und respektvoll zu gedenken. Wir fordern die Standortleitung der Kaserne und die Bundeswehr auf, uns dafür Zutritt zu gewähren.

HAZ-Artikel dazu