Dokumentation: Glasbruch und Farbe gegen Bundeswehr in Oldenburg

„Wir haben in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar 2012 die Scheiben des Bundeswehrgebäudes in der Ulmenstraße in Oldenburg zerstört und die Fassade mit Farbe verschönert. Mit dieser Aktion wollen wir den Stab der 1. Panzerdivision aus Hannover, der in den nächsten Jahren nach Oldenburg ziehen soll, herzlichst willkommen heißen.

Die 1. Panzerdivision ist einer der wichtigsten Bestandteile deutscher Kriegsführung, bei allen größeren Einsätzen mischen ihre rund 18.000 Soldat_innen mit. Abgesehen davon ist sie Schirmherrin des Sommerbiwaks, einer militaristischen Propagandaveranstaltung, die alljährlich in Hannover stattfindet. Die 1. Panzerdivision ist seit jeher Teil der Interventionskräfte – und das schon bevor die Umstrukturierung von einer Verteidigungsarmee zur Angriffsarmee begann. Sie war sozusagen Vorreiterin dieser Entwicklung, die Anfang der 1990er Jahre mit dem Ende der Blockkonfrontationen ihren Lauf nahm und nun mit der Neuverteilung von Einheiten und der Auflösung von Standorten ins Finale geht. Damit passt sich die Bundeswehr ihrem neu definierten Aufgabenfeld an – galt es vor 1990 noch, sich gegen Angriffe des Warschauer Paktes zu verteidigen, ist es nun oberste Prämisse, möglichst schnell überall auf der Welt eingreifen zu können. An das Märchen der „humanitären Einsätze“ zur „Verteidigung der Menschenrechte“ glauben wir schon lange nicht mehr. Es geht um die Durchsetzung geostrategischer Interessen in bester neokolonialer Manier, z.B. um günstige Rohstoffe für Deutschland und Westeuropa und die Sicherung ihrer Transportwege. Um das zu erkennen bedarf es weder ausgefeilter Analysen noch großartiger Verschwörungstheorien – es genügt, einen Blick ins aktuelle Weißbuch der Bundeswehr zu werfen oder den Reden des Verteidigungsministers zu lauschen.
Oldenburg hat als Garnisonsstadt Tradition, der Stab der 1. Panzerdivision ist nicht der erste hier stationierte Stab, der beim Führen von Kriegen im Auftrag deutschen Großmachtstrebens ganz vorne mit dabei ist. So war Jahre lang der Stab der Luftlandebrigade „Oldenburg“ hier zuhause.
Nach den Plänen de Maizières und den Träumen von Oberbürgermeister Schwandner und Kossendey, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, wird Oldenburg nach wie vor ein wichtiger Standort der Bundeswehr bleiben. Noch streiten sich Oldenburg und Hannover um den Stab der 1. Panzerdivision. Für uns ist klar: wir werden der 1. Panzerdivision einen heißen Empfang bereiten, sollte sie wirklich hier her verlegt werden.
Natürlich geht es uns nicht nur um die prominente 1. Panzerdivision. Es muss darum gehen, alle hier stationierten Soldat_innen als das sichtbar zu machen, was sie sind: Menschen, die dazu ausgebildet werden, andere Menschen umzubringen.

Kaputte Scheiben und ein bisschen Farbe sind nur der Anfang. Lasst uns die künftig hier stationierten Soldat_innen gebührend empfangen! Die Möglichkeiten sind unerschöpflich: gesprühte Parolen, gestörte Bundeswehrkonzerte, ein brennendes Versorgungsamt, Pöbeleien, beschmierte Bundeswehreinrichtungen, gestreckte Mittelfinger, angezündete LKW, geklebte Plakate… Organisiert euch, lasst euch was einfallen und los!
Gegen Militarismus – in Oldenburg und überall! Für eine befreite, solidarische Gesellschaft jenseits von Rassismus, Patriarchat und Kapitalismus!“