Das hannoversche Friedensbüro hat gestern zusammen mit dem Friedensdienst der evangelischen Landeskirche eine Kundgebung gegen die Zusammenarbeit der Kirche mit dem Militär veranstaltet.
Ursprünglich sollte die Kundgebung zeitgleich zum jährlichen Adventskonzert der 1. Panzerdivision in der Neustädter Hof- und Stadtkirche stattfinden.
Das Militärkonzert war allerdings im September überraschend abgesagt worden. Bericht und Einschätzung
Offiziell wurde die Absage damit begründet, dass die musikalische Mördertruppe sich auf den Afghanistaneinsatz vorbereiten müsse – der seit 2007 wachsende Protest gegen den Schulteschluss von Militär und Kirche habe nichts mit damit zu tun.
2009 hatte einige Antimilitarist_innen schon zwei Tage vor dem Konzert versucht die Kirche zu besetzen.
Zum Ende eines Gottesdienstes wurde ein Transparent gezeigt und eine kurze Rede gehalten. Der Kirchenvorstand wurde aufgefordert das Konzert abzusagen und es wurde angekündigt die Kirche vorher nicht wieder zu verlassen. Erneut räumte die Polizei eine Kirche. Große mediale Aufmerksamkeit und innerkirchliche Proteste folgten ebenso. Am Tag des Konzertes demonstrierten 90 Menschen vor der weiträumig abgesperrten Kirche.
Die Besetzer_innen luden im Anschluss an die Proteste Militär-kritische Menschen aus Kirchengemeinden zu einem Treffen, um über ein mögliches gemeinsames Vorgehen zu beratschlagen. Das Friedensbüro und das Arbeitsfeld Friedensarbeit im Haus kirchlicher Dienste Hannover beschlossen dieses Jahr, parallel zu dem Adventskonzert der 1. Panzerdivision, vor der Neustädter Kirche ein „Friedenskonzert“ mit Kirchenchören zu veranstalten.
Mit diesem Schritt war es gelungen die Auseinandersetzung von einem Protest aktiver antimilitaristischer Gruppen zu einem innerkirchlichen Konflikt auszuweiten. Wenn wir die Bundeswehr aus dem öffentlichen Raum verbannen wollen, müssen wir Wege finden antimilitaristische Positionen zu verbreitern und direkt Betroffene zu Aktivität zu ermuntern. Wenn die Bundeswehr versucht in Kirchen Fuß zu fassen, ist es wesentlich wirkungsvoller wenn sich innerhalb dieser Widerspruch regt als wenn wir versuchen von außen zu intervenieren. Insofern war die Kundgebung gestern ein Schritt in die Richtige Richtung.
PS: Wegen der Besetzung 2009 stehen noch Verfahren wegen Hausfriedensbruch an. Gegen 3 Heranwachsende wird es Prozesse geben! Achtet auf Ankündigungen. 9 weitere Antimilitarist_innen haben Strafbefehle erhalten, die sich auf ca 3000 € summieren. Deshalb wird weiterhin zu Solidaritätsspenden aufgerufen:
Spendenkonto:
Rote Hilfe e.V. Hannover
Kto.-Nr.: 0010808858
BLZ.: 76010085
Stichwort: Marktkirche
Archiv Antimilitarismus in Hannover mit allen Artikeln zu Protest gegen Bundeswehr in der Kirche und der folgenden Repression gegen Aktivist_innen
Friedensbüro Hannover
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