Bundeswehr sagt Adventskonzert ab

Das diesjährige Adventskonzert der 1. Panzerdivision Hannover ist überraschend abgesagt worden. Dies bestätigt die 1. Panzerdivision in der gestrigen Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.
Das Konzert, das seit 10 Jahren in Hannoverschen Kirchen veranstaltet wurde, war in den letzten Jahren von Protesten begleitet worden. 2007 fand das Militärkonzert noch in der größten Hannoverschen Kirche, der Marktkirche statt. Dort hatten ca. 20 Antimilitarist_innen vor Beginn des Konzertes ein Transparent vor dem Altar entrollt. Nach dem die Bullen diese geräumt hatten, wurde das Konzert noch mehrfach durch Zwischenrufe und mit Trillerpfeifen gestört.
Die Polizei nahm vor der Kirche 16 Personen mit dem Vorwurf des Hausfriedensbruchs, zum Teil brutal, fest.
Sowohl das Konzert der Bundeswehr als auch das Vorgehen von Kirchenvertreter_innen und Polizei lösten bundesweiten (auch innerkirchlichen) Protest aus.
Dadurch sah sich der Vorstand der Marktkirche zum Einlenken gezwungen. Zunächst gab es Anfang 2008 eine Podiumsdiskussion zwischen Antimilitarist_innen und Kirchenvertreter_innen, die mit 250 Zuhörer_innen sehr gut besucht war. Kurz darauf entschied sich die Marktkirche gegen weitere Militärkonzerte.
Trotzdem gab es 2008 erneut ein Adventskonzert der 1. Panzerdivision. Die wesentlich kleinere Neustädter Hof- und Stadtkirche war bereit das Militärspektakel als geschlossene Veranstaltung, unter massivem Polizeischutz durchzuführen.Vor der Kirche protestierten ca. 50 Antimilitarist_innen.
2009 entschied sich eine Gruppe schon zwei Tage vor dem Konzert aktiv zu werden und die Räumlichkeit zu besetzen.
Zum Ende eines Gottesdienstes wurde ein Transparent gezeigt und eine kurze Rede gehalten. Der Kirchenvorstand wurde aufgefordert das Konzert abzusagen und es wurde angekündigt die Kirche vorher nicht wieder zu verlassen. Erneut räumte die Polizei eine Kirche. Große mediale Aufmerksamkeit und innerkirchliche Proteste folgten ebenso. Am Tag des Konzertes demonstrierten 90 Menschen vor der weiträumig abgesperrten Kirche.
Die Besetzer_innen luden im Anschluss an die Proteste Militär-kritische Menschen aus Kirchengemeinden zu einem Treffen, um über ein mögliches gemeinsames Vorgehen zu beratschlagen. Das Friedensbüro und das Arbeitsfeld Friedensarbeit im Haus kirchlicher Dienste Hannover beschlossen dieses Jahr, parallel zu dem Adventskonzert der 1. Panzerdivision, vor der Neustädter Kirche ein „Friedenskonzert“ mit Kirchenchören zu veranstalten.
Mit diesem Schritt war es gelungen die Auseinandersetzung von einem Protest aktiver antimilitaristischer Gruppen zu einem innerkirchlichen Konflikt auszuweiten.
Die offizielle Begründung für die nun erfolgte Absage: Die Division müsse sich auf die Aufgabe als Leitdivision in Afghanistan vorbereiten. 2011 solle es dann wieder ein Adventskonzert geben. Was 2011 ist werden wir sehen. Aber es stimmt definitiv nicht, dass das Heeresmusikkorps 1 wegen dem Afghanistaneinsatz der 1. Panzerdivision keine Konzerte mehr geben kann. Andere Auftritte wurden jedenfalls nicht abgesagt. Dass die 1. Panzerdivision behauptet, die Absage habe nichts mit dem Protesten zu tun, tut dem Erfolg der Proteste jedoch keinen Abbruch.
Die Absage ist der Ausdauer der antimilitaristischen Gruppen und der Ausweitung der Proteste zu einem innerkirchlichen Konflikt zu verdanken. Dies ist unserer Meinung nach der überregional interessante Aspekt. Es ist möglich das Militär zurück zu drängen. Wir brauchen dazu aber oft einen langen Atem und müssen uns auf ein für uns fremdes Terrain wagen. Die Zusammenarbeit mit kirchlichen Gruppen war für uns neu und zum Teil durchaus von Bedenken geprägt, schließlich ist die Kirche nicht gerade der Hort der Emanzipation. Trotzdem war es richtig zu versuchen antimilitaristische Positionen in breiteren gesellschaftlichen Bereichen zu verankern. Wenn wir die Bundeswehr aus dem öffentlichen Raum verbannen wollen, müssen wir Wege finden antimilitaristische Positionen zu verbreitern und direkt Betroffene zu Aktivität zu ermuntern. Wenn die Bundeswehr versucht in Kirchen Fuß zu fassen, ist es wesentlich wirkungsvoller wenn sich innerhalb dieser Widerspruch regt als wenn wir versuchen von außen zu intervenieren. Dies gilt genauso für ein erfolgreiches Verdrängen der Bundeswehr von Gewerkschaftsveranstaltungen oder aus Schulen.
PS: Wegen der Besetzung 2009 stehen vermutlich noch Verfahren wegen Hausfriedensbruch an. Jedenfalls erstattete der Kirchenvorstand gegen 12 Antimilitarist_innen Anzeige. Deshalb wird weiterhin zu Solidaritätsspenden aufgerufen:
Spendenkonto:
Rote Hilfe e.V. Hannover
Kto.-Nr.: 0010808858
BLZ.: 76010085
Stichwort: Marktkirche

PPS: Das vom Friedensbüro und dem Haus kirchlicher Dienste vorbereitete Friedenskonzert soll trotz der Absage am 1. Dezember stattfinden

Bundeswehr aus dem öffentlichen Raum vertreiben!
Nie, Nie, Nie wieder Adventskonzert!


HAZ, Bundeswehr sagt Adventskonzert ab

Indymedia zum Protest 2007

Indymedia zum Absage der Marktkirche

Indymedia zum Protest 2008

Indymedia zur Kirchenbesetzung 2009

Archiv Antimilitarismus in Hannover mit allen Artikeln zu Protest gegen Bundeswehr in der Kirche und der folgenden Repression gegen Aktivist_innen


1 Antwort auf „Bundeswehr sagt Adventskonzert ab“


  1. 1 Kundgebung und Friedenskonzert gegen Miltär in der Kirche « antimilitarismus Pingback am 04. Dezember 2010 um 11:48 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.