Archiv für September 2010

Tortenwurf auf Trittin!

Am Mittwochabend den 22.09.2010 wurde der Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin, im Zuge einer Podiumsdiskussion in Hannover Opfer einer Joghurt-Torten-Attacke. Thema der Diskussion im Rahmen der Theaterinszenierung „Freie Republik Wendland“ war: „Ideale versus Realpolitik“. Der_die Werfer_in konnte unerkannt entkommen. Auch wenns keine inhaltliche Begründung für Aktion gab, können wir uns genug Gründe vorstellen wieso Vertreter_innen der Grünen zur Zielscheibe werden.
Die Mitdiskutantin Hanna Poddig, die die Aktion erfreulich deutlich begrüßte, nennt zum Beispiel einen: die Inszenierung als Speerspitze der Antiatomkraftbewegung. Krieg, Abschiebungen, Hartz 4 und die vielen anderen alltäglichen Zumutungen, die die von den Grünen getragene kapitalistische Wirtschaftsweise und die parlamentarische Repräsentanz so mit sich bringen, sind ein paar weitere….

Haz 1
HAZ 2

NDR mit Video
ZDF Video
Presse Übersicht bei Google

04.10. – 10.11. Veranstaltungsreihe in Hannover gegen die Innenministerkonferenz

Im Vorfeld der Innnenministerkonferenz (IMK) vom 17. – 19. November in Hamburg wird es eine Veranstaltungsreihe zu verschiedenen mit der IMK verknüpften Themen geben.

Mo. 04.10.2010 20 Uhr UJZ Korn Das Neue NDS-Versammlungsgesetz und Widerstand
Mi. 13.10.2010 20 Uhr UJZ Korn: Volkszählung(sboykott?) 2011
Mi. 20.10.2010 20.10 Uhr UJZ Korn: Rassistische Sondergesetze in der BRD
Mo. 25.10.2010 20 Uhr UJZ Korn: Aufstandsbekämpfung und Verbindungskommandos
Do. 28.10.2010 20 Uhr UJZ Korn: Sicherheitsverwahrung und Führungsaufsicht
Mi. 03.11.2010 20 Uhr UJZ Korn: Mobilisierung zu den Aktionstagen gegen die IMK
Mi. 10.11.2010 20 Uhr Raschplatzpavillon Links gleich rechts??? Extremismustheorien
Sa. 13.11.2010 Hamburg: Bundesweite Antirepressionsdemo gegen die IMK
Mi. 17.11.2010 Hamburg: Bundesweite, antirassistische Demo Bleiberecht für Alle!

Das Programmheft mit Ankündigungstexten für die einzelnen Veranstaltungen
Infos zu den Aktionstagen in Hamburg

Blutiger Empfang für Bundeswehr in Wunstorf

Wir haben gestern den Eingang des Wunstorfer Stadttheaters für 15 Minuten mit einem Die-In blockiert. Wir protestierten damit gegen die Inszenierung des Militärs als eine der Allgemeinheit zu gute kommende Institution und den Ausbau des Fliegerhorstes. Der Freundeskreis des Fliegerhorst Wunstorf veranstaltete das als Benefizkonzert ausgegebene Militär- verherrlichende Spektakel mit dem Heeresmusikkorps 1. Doch Krieg ist kein Konzert!

Die Reaktionen der Konzertbesucher und Besucherinnen waren durchgängig äußerst aggressiv. Besonderst die mitorganisierende Feuerwehr tat sich mit Aggressivität hervor. Ein Feuerwehroffizier ließ ein Spritzenwagen vorfahren und sagt zu dem anrückenden Dorfbullen: „Wir wollen das hier gleich mal mit Wasser wegspritzen. Das ganze Blut muss weg und die können wir gleich mit wegspritzen!“
Bulle: „Herbert du weißt das kann ich nicht gestatten.“
Feuerwehrarsch: „Ich würde aber gerne noch Schaum zu mischen das ist noch ätzender.“
Andere Gäste traten schon mal mit Ankündigung absichtlich auf und gegen die vor dem Eingang liegenden Antimilitarist_innen.
Zu überlegen ist allerdings ob eine solche Aktion, bei der man sich der Aggressivität der Militaristen und Militaristinnen relativ schutzlos ausliefert, weiterhin angebracht ist. Wir müssen überlegen ob wir nächstes mal besser eine andere Aktionsform wählen.
Trotzdem zeigt die Empörung und der uns engegenschlagende Hass auch, dass wir richtig gestört und die Gäste verunsichert haben.
Dem Militär das ruhige Hinterland zu nehmen, ist so oder so richtig.
Als wir nach 15 Minuten die blutige Blockade des Stadttheaters beendeten griffen sich die Bullen einen der Antimilitaristen und konnten ihn leider festnehmen. Ihm wird nun Rädelsführerschaft und Landfriedensbruch vorgeworfen. Was an der Aktion den Tatbestand des Landfriedensbruch erfüllen soll, bleibt wohl vorerst das Geheimnis der Polizei.

Zum Hintergrund des Ausbaus und der faschistischen Vergangenheit des Fliegerhorstes, könnt ihr im dort verteilten Flugblatt mehr erfahren:

Fliegerhorst: von Wunstorf den Tod in die Welt tragen
Der Freundeskreis des Fliegerhorst Wunstorf veranstaltet heute ein Benefizkonzert mit dem Heeresmusikkorps 1. Doch Krieg ist kein Konzert! Krieg bedeutet Tod, Verstümmelung und verkohlte Leichen. Vor ziemlich genau einem Jahr tötete die Bundeswehr bei Kunduz (Afghanistan) über 140 Menschen.
Zur Zeit werden die Start- und Landebahnen auf dem Flugplatz Wunstorf für die Stationierung des Airbus A 400 M ausgebaut. Außerdem ist ein Logistikzentrum für Privatunternehmen geplant. Mit dem neuen Großtransporter werden schnelle und umfangreiche Truppenverlegungen und der Transport von schwerem Material für die weltweiten Kriegseinsätze der Bundeswehr möglich. Der Fliegerhorst Wunstorf und die Region Hannover entwickeln sich damit erneut zur Drehscheibe internationaler Kriege.
Luftwaffe, Judenvernichtung, totaler Krieg – Guernica, Łomża, Warschau, Coventry
Doch nicht nur in den aktuellen Kriegen spielt der Fliegerhorst eine herausragende Rolle. Am 26. April 1937 bombardiert die deutsche Legion Condor die baskischen Kleinstadt Guernica. Die Legion war zum Teil auf dem Fliegerhorst Wunstorf ausgebildet worden und hielt sich illegal in Spanien auf, um den faschistischen Militärputsch Francos zu unterstützen. Durch Pablo Picasso bekanntes Gemälde „Guernica“ wurde der Name der baskischen Stadt zum Symbol für faschistischen Terror und die Brutalität des Luftkrieges.
Ab dem 1. September 1939 beteiligte sich die Luftwaffe der Nazis an dem Kampfeinsatz gegen Polen. Neben militärischen Zielen wurden auch Wohnviertel angegriffen. Besonders intensiv wurden jüdische Stadtviertel bombardiert. So wurde die Kleinstadt Łomża, welche von NS-Bevölkerungswissenschaftlern zuvor als „Judenstadt“ bezeichnet worden war, komplett zerstört. Ganze Straßenzüge des jüdischen Viertels in Warschau wurde mit Brandbomben in Flammen gesetzt. Anschließend wurde das gesamte Zentrum der polnischen Hauptstadt flächendeckend bombardiert.
Auch im Krieg gegen Frankreich und England wurden Wohnviertel angegriffen und zerstört. Weltweites Aufsehen erregte die Vernichtung der britischen Stadt Coventry.
In der Geschichtsschreibung der Garnisonsstadt Wunstorf werden diese Einsätze bis heute verschwiegen. Auf dem Fliegerhorst Wunstorf pflegt man militärische Traditionen und das Andenken an den legendäre Ju 52-Bomber, der bei all diesen Angriffen zum Einsatz kam.
Der Fliegerhorst Wunstorf ist also eine Drehscheibe des Todes mit langer Tradition! Seit die BRD wieder Angriffskriege wie in Afghanistan führt, trägt das deutsche Militär wieder Mord und Leid von Wunstorf in die Welt.
Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!
Bundeswehr abschaffen! Fliegerhorst dicht machen!

Vor zwei Tagen ist auch ein ausführliches Buch über die Geschichte des Fliegerhorstes im Nationalsozialismus erschienen. Dies und mehr Infos zum Fliegerhorst findet ihr hier: www.ak-regionalgeschichte.de

Presse zur Aktion:

Leinezeitung:
Demonstration gegen Konzert und Konzertbericht

Wunstorfer Stadtanzeiger:
Demonstration stört Benefizkonzert und
Konzertbericht


Indymedia Artikel mit ein paar Bildern

Bundeswehr sagt Adventskonzert ab

Das diesjährige Adventskonzert der 1. Panzerdivision Hannover ist überraschend abgesagt worden. Dies bestätigt die 1. Panzerdivision in der gestrigen Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.
Das Konzert, das seit 10 Jahren in Hannoverschen Kirchen veranstaltet wurde, war in den letzten Jahren von Protesten begleitet worden. 2007 fand das Militärkonzert noch in der größten Hannoverschen Kirche, der Marktkirche statt. Dort hatten ca. 20 Antimilitarist_innen vor Beginn des Konzertes ein Transparent vor dem Altar entrollt. Nach dem die Bullen diese geräumt hatten, wurde das Konzert noch mehrfach durch Zwischenrufe und mit Trillerpfeifen gestört.
Die Polizei nahm vor der Kirche 16 Personen mit dem Vorwurf des Hausfriedensbruchs, zum Teil brutal, fest.
Sowohl das Konzert der Bundeswehr als auch das Vorgehen von Kirchenvertreter_innen und Polizei lösten bundesweiten (auch innerkirchlichen) Protest aus.
Dadurch sah sich der Vorstand der Marktkirche zum Einlenken gezwungen. Zunächst gab es Anfang 2008 eine Podiumsdiskussion zwischen Antimilitarist_innen und Kirchenvertreter_innen, die mit 250 Zuhörer_innen sehr gut besucht war. Kurz darauf entschied sich die Marktkirche gegen weitere Militärkonzerte.
Trotzdem gab es 2008 erneut ein Adventskonzert der 1. Panzerdivision. Die wesentlich kleinere Neustädter Hof- und Stadtkirche war bereit das Militärspektakel als geschlossene Veranstaltung, unter massivem Polizeischutz durchzuführen.Vor der Kirche protestierten ca. 50 Antimilitarist_innen.
2009 entschied sich eine Gruppe schon zwei Tage vor dem Konzert aktiv zu werden und die Räumlichkeit zu besetzen.
Zum Ende eines Gottesdienstes wurde ein Transparent gezeigt und eine kurze Rede gehalten. Der Kirchenvorstand wurde aufgefordert das Konzert abzusagen und es wurde angekündigt die Kirche vorher nicht wieder zu verlassen. Erneut räumte die Polizei eine Kirche. Große mediale Aufmerksamkeit und innerkirchliche Proteste folgten ebenso. Am Tag des Konzertes demonstrierten 90 Menschen vor der weiträumig abgesperrten Kirche.
Die Besetzer_innen luden im Anschluss an die Proteste Militär-kritische Menschen aus Kirchengemeinden zu einem Treffen, um über ein mögliches gemeinsames Vorgehen zu beratschlagen. Das Friedensbüro und das Arbeitsfeld Friedensarbeit im Haus kirchlicher Dienste Hannover beschlossen dieses Jahr, parallel zu dem Adventskonzert der 1. Panzerdivision, vor der Neustädter Kirche ein „Friedenskonzert“ mit Kirchenchören zu veranstalten.
Mit diesem Schritt war es gelungen die Auseinandersetzung von einem Protest aktiver antimilitaristischer Gruppen zu einem innerkirchlichen Konflikt auszuweiten.
Die offizielle Begründung für die nun erfolgte Absage: Die Division müsse sich auf die Aufgabe als Leitdivision in Afghanistan vorbereiten. 2011 solle es dann wieder ein Adventskonzert geben. Was 2011 ist werden wir sehen. Aber es stimmt definitiv nicht, dass das Heeresmusikkorps 1 wegen dem Afghanistaneinsatz der 1. Panzerdivision keine Konzerte mehr geben kann. Andere Auftritte wurden jedenfalls nicht abgesagt. Dass die 1. Panzerdivision behauptet, die Absage habe nichts mit dem Protesten zu tun, tut dem Erfolg der Proteste jedoch keinen Abbruch.
Die Absage ist der Ausdauer der antimilitaristischen Gruppen und der Ausweitung der Proteste zu einem innerkirchlichen Konflikt zu verdanken. Dies ist unserer Meinung nach der überregional interessante Aspekt. Es ist möglich das Militär zurück zu drängen. Wir brauchen dazu aber oft einen langen Atem und müssen uns auf ein für uns fremdes Terrain wagen. Die Zusammenarbeit mit kirchlichen Gruppen war für uns neu und zum Teil durchaus von Bedenken geprägt, schließlich ist die Kirche nicht gerade der Hort der Emanzipation. Trotzdem war es richtig zu versuchen antimilitaristische Positionen in breiteren gesellschaftlichen Bereichen zu verankern. Wenn wir die Bundeswehr aus dem öffentlichen Raum verbannen wollen, müssen wir Wege finden antimilitaristische Positionen zu verbreitern und direkt Betroffene zu Aktivität zu ermuntern. Wenn die Bundeswehr versucht in Kirchen Fuß zu fassen, ist es wesentlich wirkungsvoller wenn sich innerhalb dieser Widerspruch regt als wenn wir versuchen von außen zu intervenieren. Dies gilt genauso für ein erfolgreiches Verdrängen der Bundeswehr von Gewerkschaftsveranstaltungen oder aus Schulen.
PS: Wegen der Besetzung 2009 stehen vermutlich noch Verfahren wegen Hausfriedensbruch an. Jedenfalls erstattete der Kirchenvorstand gegen 12 Antimilitarist_innen Anzeige. Deshalb wird weiterhin zu Solidaritätsspenden aufgerufen:
Spendenkonto:
Rote Hilfe e.V. Hannover
Kto.-Nr.: 0010808858
BLZ.: 76010085
Stichwort: Marktkirche

PPS: Das vom Friedensbüro und dem Haus kirchlicher Dienste vorbereitete Friedenskonzert soll trotz der Absage am 1. Dezember stattfinden

Bundeswehr aus dem öffentlichen Raum vertreiben!
Nie, Nie, Nie wieder Adventskonzert!


HAZ, Bundeswehr sagt Adventskonzert ab

Indymedia zum Protest 2007

Indymedia zum Absage der Marktkirche

Indymedia zum Protest 2008

Indymedia zur Kirchenbesetzung 2009

Archiv Antimilitarismus in Hannover mit allen Artikeln zu Protest gegen Bundeswehr in der Kirche und der folgenden Repression gegen Aktivist_innen

Protest gegen Bundeswehr bei Gedenken für NS-Opfer

Am heutigen Antikriegstag fand in Hannover auf dem Ehrenfriedhof für im Nationalsozialismus ermordete Zwangsarbeiter – größtenteils Angehörige der Roten Armee – eine Gedenkveranstaltung statt.
Diese wird seit Jahren von der IG Metall in Zusammenarbeit mit der Stadt Hannover und dem Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge organisiert. Auch Soldaten und Soldatinnen der 1. Panzerdivision und der Luftwaffe waren anwesend. Gegen diesen Umstand haben wir mit einem Transparent protestiert.

Nach einiger Überlegung welche Form des Protestes in Anbetracht des Anlasses angemessen ist, entschlossen wir uns dazu schweigend mit dem Transparent: „Dank der Roten Armee für die Zerschlagung des NS-Faschismus. Damals wie Heute: Tod dem deutschen Militär“ neben dem Mahnmal zu stehen. Denn es war uns natürlich wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten eine Gedenkfeier für Opfer des Faschismus stören.
Als wir nach der Hälfte des Programms die Empore betraten, klatschten einige der Zuschauer_innen – vor allem, Angehörige der russischen Delegation Volga Int., der Friedensbewegung und einige Gewerkschafter_innen. Die Bundeswehrsoldaten und Soldatinnen und der Großteil der ca. 80 Teilnehmenden regierten allerdings nicht.
Die Veranstaltung endete mit einer Kranzniederlegung, während der wir weiterhin neben dem Mahnmal schweigend gegen die Anwesenheit der Bundeswehr protestierten.
Eine Teilnahme an dem Gedenken für die Opfer des Faschismus und eine gleichzeitige Ächtung der Bundeswehr ist uns gelungen.
Wir müssen weiterhin Wege finden die Bundeswehr (und eigentlich auch die Kriegsbräberfürsorge) von Gewerkschaftsveranstaltungen und Gedenkfeiern für Opfer des Nationalsozialismus zu drängen. Die Gewerkschaften müssen mehr unter Druck gesetzt werden, damit sie zukünftig keine Bundeswehrangehörigen auf ihren Veranstaltungen dulden.

Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!
Für antifaschistische und antimilitaristische Gewerkschaften!
Kick your local Werbeoffizier!!!