Widerstand gegen Sommerbiwak

von indymedia
Über 500 Antimilitarist_innen haben sich gestern an den Protesten gegen das Sommerbiwak der 1. Panzerdivision Hannover beteiligt. Die Zahl der Biwakbesucher und Besucherinnen sank dagegen erneut auf nun noch 5500.
Die Demos und Kundgebungen rund um den Stadtpark waren die meiste Zeit sehr laut und wurden durch kleinere Aktionen wie blutige Händeattrappen auf Gäste und Farbeier auf eine Guttenberg-Puppe werfen, begleitet.
Der Eingang des Biwaks wurde ca. 20 Minuten durch einen Die-In von 30 Leuten blockiert.
Auch innerhalb des Stadtparks kam es erneut zu Protesten. Im Vorfeld und am abend gab es einige militante Aktionen.

Die Hauptkundgebung gegen das Gartenfest der 1. Panzerdivision Hannover startete um 17.30 Uhr vor dem Congress Centrum. Mit einigen Redebeiträgen und lauter Musik wurde versucht bis zum Eingangsbereich durchzudringen. Nach einer halben Stunde brach ein Großteil der Demonstrant_innen mit einem zweiten Lautsprecherwagen zu einem Krachrave auf. Mit ätzendem Techno, Gepöbel und Pfiffen wurde direkt entlang des Stadtparks auf der Clausewitzstr. hin und zurück demonstriert. Nach ca. 15 Minuten musste allerdings wegen beschissener Auflagen zum Schutz der Polizisten- und Polizistinnenohren 5 Minuten die Musik unterbrochen werden. Dies wurde genutzt um einen Redebeitrag, der sich an die Biwakgäste richtete zu halten.
Im Anschluss zog ein weiterer Demozug in das angrenzende Zooviertel zum „Hindenburghaus“.
Damit sollte die ungebrochene Tradition des deutschen Militarismus und die immer noch bestehende Ehrenbügerschaft Hindenburgs in Hannover kritisiert werden.
Während die beiden Demozüge unterwegs waren, wurde die Hauptkundgebung fortgesetzt. Diese wurde zum Gäste bepöbeln und mit blutigen Händeattrappen bewerfen genutzt und endete mit einer kleinen Farbeierwurfshow auf eine Guttenberg-Soldaten-Puppe.
Den Abschluss der Proteste bildete eine erneute Demo entlang des Stadtparks bis zum Stabssitz der 1. Panzerdivision. Dabei waren, wie schon beim Rave, jegliche Krachmittel verboten. Außerdem musste der Lautsprecherwagen ab 19.30 Uhr, etwa auf der Hälfte der Strecke, bis zum Stabssitz ausgeschaltet werden. Trotzdem gelang es noch einmal lautstark unsere Wut und unseren Protest zum Ausdruck zu bringen.
Kurz vor dem Erreichen der Endkundgebung griff die Polizei zwei Personen wegen angeblicher Vermummung aus der Demo raus, ließ sie aber nach einigen Minuten wieder gehen.
Die wohl erfolgreichste Aktion des Tages war die 20 minütige Blockade des Eingangs des Stadtparks durch einen Die-In von 30 Leuten. Den Sommerbiwakgästen wurde ein blutiger Empfang bereitet. (siehe unten)
Auch innerhalb des Festgeländes kam es erneut zu Protesten. Mindestens eine Rauchbombe wurde vor die Rednerbühne geworfen konnte aber leider schnell gelöscht werden. Eine Antimilitaristin, der dieser Wurf vorgeworfen wird, wurde mit bisher unbekanntem Straftatvorwurf festgenommen aber nach ca. 30 min. mit einem Platzverweis laufen gelassen. Außerdem kletterten 6 Linksparteiabgeordnete auf die Bühne, zeigten No-War-T-Shirts, riefen Parolen und verteilten Flugblätter. Diese wurden mit dem Vorwurf des Hausfriedensbruchs festgenommen und ebenfalls kurz darauf wieder frei gelassen.

Insgesamt waren die diesjährigen Proteste aus unserer Sicht durchwachsen. Wir sehen also sowohl einige positive Entwicklungen als auch einige offenkundige Schwächen. Zunächst einmal positiv hervor zu heben ist, dass wir die Teilnehmer_innenanzahl der Demo auf über 500 steigern konnten. Das Sommerbiwak ist nach fünf Jahren des Widerstands zu einem der größten, regelmäßig stattfindenden antimilitaristischen Protesten geworden. In Anbetracht der Möglichkeiten des Widerstands, die sich in Hannover beim Biwak bieten und der immer weiter voranschreitenden Militarisierung sind es aber immer noch viel zu wenig. Weiterhin war der erstmalige Versuch zu Beginn des Biwaks nicht nur hinter Gittern, bewacht zu pöbeln sondern mit dem Rave und der Hindenburgdemo da raus zu kommen richtig. Insbesondere der Krachrave war eine gute Idee. Wir müssen auch in Zukunft weiter daran überlegen wie wir noch näher an das Biwak ran kommen, denn im Gegensatz zu den ersten Jahren kommen nur noch vereinzelt Gäste direkt an der Kundgebung vorbei. Als direkte Störung und Eingriff in den Ablauf des Festes hat die Die-In-Blockade dieses Jahr am besten funktioniert. Insgesamt scheint das linksradikale Konzept, eine Mischung aus Ächtung, Störung und Aufbau eines Bedrohungsszenarios insofern auf zugehen, dass die Anzahl der Gäste erneut um 500 abnahm (nun 5500).

Die miesen Auflagen bezüglich Lärm und das Verbot eines Schwarzen Blocks zeigen auch, dass wir stören. Allerdings denken wir, dass vor allem der Umgang mit der Schwarzenblockauflage noch einmal gründlich diskutiert werden muss. So gab es zwar viele Leute in schwarz aber keinen Block. Es ist zwar richtig die Priorität auf die Störung des Biwaks und nicht auf die Durchsetzung eines Blocks zu legen. Aber da uns diese bekloppte Auflage vermutlich jetzt immer, auch bei anderen Anlässen, erteilt wird, muss dringend ein Umgang damit diskutiert werden. Zumal wir gerade nicht einschätzen können woran es lag, dass die Bullen keinen Stress wegen der vielen schwarz Gekleideten gemacht haben.

Erfreulich ist, dass es vor allem im Vorfeld einige militante Aktionen gab.
Der Rosenpavillon, VIP-Bereich im Stadtpark, wurde abgefackelt.
Bei zwei Commerzbanken wurden Scheiben eingeworfen und mit Farbe geworfen.
Ein Bullenauto wurde angefackelt.
Ein SPD Büro wurde entglast.
Zwei Bullenwachen mit Farbe versaut. 1. Wache zur 2. Wache und dem angefackelten Bullenauto lies weiter unten

Bis auf die eine Bullenwache und einer Spontandemo von ca. 30 Leuten in Linden lief am Abend des Biwaks allerdings soweit wir wissen nichts.
Das lag bestimmt zum einen daran, dass hunderte Bullen und ein Hubschrauber unterwegs waren, zum anderen aber auch an unserer Schwäche Anschluss fähige Störaktionen zu organisieren.
Dass Abends nichts Größeres läuft ist jedenfalls auch nicht besser als die Erfahrung der letzten beiden Jahre, angemeldete Demo/Kundgebung im Bullenkessel.
Naja so oder so – der antimilitaristische Widerstand in Hannover wird weiter gehen und wir werden unser Bestes geben die guten Ansätze auszubauen. Wir werden uns nach etwas gründlicherer Diskussion nochmal mit einer ausführlicheren Analyse des bisherigen Widerstands und der Perspektive für das nächste Jahr melden. Bis dahin haben wir ja auch abseits solcher Events genug damit zu tun die alltägliche Militarisierung der Gesellschaft zu bekämpfen.

Für antimilitaristische Praxis und emzipatorische Perspektive!

Ein paar Bilder gibts bei indymedia
TAZ Nord zum Biwakprotest

Neues Deutschland
HAZ


1 Antwort auf „Widerstand gegen Sommerbiwak“


  1. 1 LKA -Durchsuchung bei Blogsport-Betreiber /Ermittlungsverfahren gegen uns « antimilitarismus Pingback am 19. November 2010 um 11:46 Uhr
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