Hannovers Grüne und ihre Probleme mit einer Patenschaft

In der HAZ vom Montag ist folgender interessanter Artikel zum Parteitag der lokalen Grünen zu lesen:
„Hannovers Grüne ringen einmal mehr mit ihrem Verhältnis zur Bundeswehr – speziell mit dem zur 1. Panzerdivision, mit der die Landeshauptstadt seit 1983 eine Patenschaft unterhält.
Bei der Mitgliederversammlung am Sonnabend im Freizeitheim Ricklingen kam ein Antrag der Parteijugend, die Patenschaft zu beenden, zwar nicht zur Abstimmung, fand aber erhebliche Zustimmung. „Die Ausprägung der Patenschaft ist gruselig“, befand der Landtagsabgeordnete Enno Hagenah. Nach Einschätzung der Grünen Jugend führt die Bundeswehr „Kriege von gestern“, Mitglied Tobias Leverenz, der später als Beisitzer in den Parteivorstand gewählt wurde, sprach sogar von Massenmorden. Vor diesem Hintergrund stößt man sich neben der Patenschaft vor allem am jährlichen Sommerbiwak der 1. Panzerdivision im Stadtpark, bei dem regelmäßig mehrere Tausend geladene Gäste feiern.
„Das ist eine unangemessene Glorifizierung der Bundeswehr“, heißt es in dem Antrag, der ausdrücklich die Unterstützung des hannoverschen Parteivorstands fand, wie Sprecher Thomas Schremmer sagte. Abgestimmt wurde trotzdem nicht, weil sich unter anderem die Ratsmitglieder Lothar Schlieckau und Michael Dette, aber auch Hagenah bemühten, die Angelegenheit zu entschärfen. „Wir dürfen uns nicht verweigern, sondern sollten uns mit der Bundeswehr auseinandersetzen und darum ringen, dass die Patenschaft anders ausgestaltet wird“, sagte Hagenah.
Schlieckau machte darauf aufmerksam, dass hier von der SPD keine Unterstützung zu erwarten sei und die Entscheidung über die Patenschaft letztlich in den Händen von Oberbürgermeister Stephan Weil liege. Letztendlich beschlossen die Grünen mit knapper Mehrheit, nicht über den Antrag abzustimmen, sondern ihn zu vertagen und vorher engagiert darüber zu diskutieren.“
HAZ online vom 12.04.2010

Was soll man dazu denn bloß sagen?
Erstmal schön, dass die jahrelange Skandalisierung und die häufigen Störungen bei Patenschaftsveranstaltungen offensichtlich mal wieder zu Reaktionen führen. Auch kann man der Grünen Jugend Anerkennung zollen, dass sie nun schon das zweite Mal die Auseinandersetzung um die Patenschaft mit der 1. Panzerdivision in die Grünepartei und die Öffentlichkeit getragen hat.
Denn bereits vor 1 1/2 Jahren, nachdem die Stadt dem Friedensbüro Räume, für das sog. Friedensbiwak, gekündigt hatte, forderte die Grüne Jugend Ähnliches.
Trotzdem bleibt es wohl das Geheimnis des grünen Nachwuchses weshalb eine Kriegstreiberpartei aufhören sollte die Krieger zu unterstützen. Letztendlich ist es kaum verwunderlich, dass sich die Grünen, ein Jahr vor der nächsten Lokalwahl und in Anbetracht der vielen Proteste gegen die Patenschaft sowie allgemeiner Kriegsunlust in der Bevölkerung, gerne ein bisschen friedlich geben. Doch trotz der löblichen Initiative der Grünen Jugend wünschen wir ihnen schon etwas mehr Geschichtsbewusstsein. Schließlich war es die erste Bundesregierung mit Beteiligung der Grünen, die in Deutschland Kriegseinsätze zum Mittel der Außenpolitik machte. 1999 Kosovo und seit 2001 Afghanistan. Welcher Außenminister hat den mit Lügen und Auschwitzvergleichen die Grünepartei und die BRD auf Kriegskurs gebracht?
Und so lenken auch gleich, Diejenigen (Parlamentarier), die „regierungsfähig“ bleiben wollen ein: „Wir dürfen uns nicht verweigern, sondern sollten uns mit der Bundeswehr auseinandersetzen und darum ringen, dass die Patenschaft anders ausgestaltet wird“. Na denn, wir dachten schon…
Übrigens berichtete die Neue Presse ganz anders von dem Parteitag. Kein Wort zur Patenschaftsdebatte. Stattdessen ging es um eine mögliche schwarz-grüne Koalition auf Stadtebene nach der nächsten Wahl. Das auch von der CDU „keine Unterstützung zu erwarten“ ist, ist offensichtlich. Und so ist der grünen Jugend zwar für ihr Engagement zu danken, ansonsten aber einfach der eigene Slogan „Den Ausstieg machst du“ nahe zu legen.