Offener Brief an die Neustädter Kirche Polizei droht Kirchenvorstand

Sehr geehrte Gemeinde,
sehr geehrter Vorstand der Neustädter Hof- und Stadtkirche,

wir schreiben Ihnen einen offenen Brief, weil wir denken, dass es sich bei Folgendem um ein Politikum von öffentlichem Interesse handelt, dass nicht privat verhandelt werden kann.
Am Abend des 6. Dezember 2009 haben wir am Ende des Gottesdienstes versucht, in der Neustädter Hof- und Stadtkirche eine Mahnwache durchzuführen. Diese richtete sich gegen die Kriege der Bundeswehr und das Adventskonzert der 1. Panzerdivision, das am 8. Dezember dort stattfand. Der Kirchenvorstand ließ sich auf unseren friedlichen Protest in keiner Weise ein, veranlasste nach einer halben Stunde die Räumung durch die Polizei und erstattete Anzeigen wegen Hausfriedensbruch.
Am Montag den 4. Januar gab es ein Telefongespräch zwischen einem Mitglied unserer Initiative und dem Kirchenvorstandsvorsitzenden Andreas Kehler.
Im Verlauf dieses Gesprächs bot Herr Kehler an, die Anzeigen wegen Hausfriedensbruch gegen uns zurück zu ziehen, wenn wir im Gegenzug zusichern würden, zukünftig keine Gottesdienste in der Neustädter Kirche zu stören und dort Aktionen zu unterlassen.
Gleichzeitig erklärte Herr Kehler, die Polizei Hannover habe gedroht, falls die Anzeigen zurückgezogen würden, werde sie zukünftig auf Anrufe der Neustädter Kirche nicht mehr reagieren.
Es war nie unsere Absicht, Gottesdienste zu stören und wir werden dies auch in Zukunft nicht tun. Wir respektieren das Bedürfnis der Gemeinde nach ungestörten Gottesdiensten und haben deshalb unsere Aktion am 6. Dezember erst nach dem abschließenden Segen durch die Landesbischhöfin Käßmann begonnen. Eine Störung des Gottesdienstes war nicht unser Ziel.
Der Erpressungsversuch der Polizei ist eine unhaltbare Unverschämtheit. Sie zeigt den unbedingten Verfolgungswillen gegen AntikriegsaktivistInnen. Der Kirchenvorstand hat uns der Kriminalisierung durch die Polizei ausgeliefert. So trägt er die Verantwortung für die unverhältnismäßige Repression gegen uns. Diese umfasste eine Räumung unter Gewaltanwendung, stundenlanges Gewahrsam, nackt Ausziehen, die Speicherung von Fotos und Fingerabdrücken, sowie ein 50stündiges Aufenthaltsverbot für die Calenberger Neustadt und Teile der City.
Wir fordern alle Kirchenmitglieder auf, insbesondere angesichts der aktuellen Debatte um den Afghanistankrieg, sich beim Vorstand der Neustädter Kirche zu beschweren.
Wir fordern den Kirchenvorstand auf, den Drohungen der Polizei nicht zu folgen und die Anzeigen zurück zu ziehen.
Wir werden weiterhin gegen öffentliche Veranstaltungen der kriegführenden Bundeswehr protestieren, wo immer sie auch stattfinden.

Mit freundlichen Grüßen, die Teilnehmenden der Mahnwache