Kriegsdenkmal in Burgwedel zerstört

von www.haz.de
Der Platz auf dem Burgwedeler Friedhof, an dem das Mahnmal für die Opfer von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft steht, ist über und über mit Scherben bedeckt. Die Glastafeln, auf denen die Namen von 142 Soldaten zu lesen waren, sind zersplittert, zum Teil ragen nur noch ein paar spitze Zacken aus den Stelen, an denen sie befestigt waren. Unbekannte haben die Gedenkstätte in der Nacht zu Sonntag fast vollständig zerstört. Nur die Tafel, die an die zivilen Opfer und an 27 tote Säuglinge polnischer Zwangsarbeiterinnen erinnert, blieb unangetastet. Bürgermeister Hendrik Hoppenstedt (CDU), den die Nachricht während eines Urlaubs erreichte, zeigte sich schockiert. „Es ist eine schäbige Tat“, sagte er.

Ein Spaziergänger hatte gegen 8 Uhr den Scherbenhaufen auf dem Gelände in der Thönser Straße bemerkt und sofort die Polizei verständigt. Offenbar waren die 1,85 Meter hohen und etwa 80 Zentimeter breiten Sicherheitsglasscheiben durch Steinwürfe zerstört worden. Die Beamten stellten auf dem Gelände zwei größere Feldsteine sicher. „Hinweise, wer hinter dem Anschlag stecken könnte, haben wir derzeit nicht“, sagte Anja Gläser von der Polizeidirektion Hannover.

Das Mahnmal, das rund 22 000 Euro gekostet hat und erst vor zwei Wochen enthüllt worden war, gilt als umstritten. Unter den aufgeführten Namen befinden sich auch diejenigen von sechs Angehörigen der Waffen-SS. Jüdische Verbände, unter anderem die Deutsch-Israelische Gesellschaft, hatten das Projekt deshalb scharf kritisiert. Auch das Simon-Wiesenthal-Center zur Wahrung der Rechte der Juden war auf die Burgwedeler Gedenkstätte aufmerksam geworden. In einem Schreiben war Bürgermeister Hoppenstedt aufgefordert worden, das Mahnmal zu überdenken. Im Internet hatten linke Gruppierungen dazu aufgerufen, die Einweihungsveranstaltung zu stören, die dann aber doch ohne große Störungen verlief.

Die Burgwedeler fühlten sich missverstanden. Der Wunsch, ein Mahnmal zu errichten, sei aus der Bevölkerung heraus entstanden, so der Verwaltungschef. Kriterien für die Namen auf den Glasplatten waren zum einen, dass es sich um Großburgwedeler handeln musste, zum anderen, dass sie keine nachweisbare persönliche Schuld auf sich geladen haben durften. Im Fall der sechs SS-Mitglieder hatte die Stadtverwaltung unter anderem bei der Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg um Rat gefragt. Bei der Enthüllung der Gedenkstätte am Volkstrauertag waren die sechs Namen dennoch vorerst unkenntlich gemacht worden, weil das niedersächsische Institut für Regionalforschung in einem Zwischenbericht nicht ausschließen konnte, dass die Einheiten der Genannten an Kriegsverbrechen beteiligt waren.

Trotzdem will Bürgermeister Hendrik Hoppenstedt das Mahnmal so schnell wie möglich wieder aufbauen: „Wir werden uns von niemandem diktieren lassen, wie unsere Erinnerung zu sein hat.“

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