Antimilitarismus in Hannover

Diese Seite soll gruppenübergreifend über den antimilitaristischen Widerstand in Hannover informieren. Auf der Startseite befinden sich ganz oben Hinweise zu aktuell anstehenden Veranstaltungen und Aktionen. Weiter unten gibt es die Berichte zu früheren Aktionen. Außerdem gibt es ein Archiv mit allen Artikeln zu antimilitaristischen Aktivitäten in Hannover seit 2001, die wir auftreiben konnten und eine Terminübersicht, eine Text-, eine Material- und eine Linksammlung.
Und das autonome Blättchen ist zu Gast auf unserer Seite.
…seht euch um

Automomes Blättchen Nr. 8!

Das 8. autonome Blättchen ist draußen! Online zum Download

Sehr dick und interessant:

Seite 0: – Hallo und Impressum

Seite 1: – Castor: „So gewaltfrei wie möglich“

Seite 3: – Kolonialverbrecher Lettow-Vorbeck
„the same procedure as last year, miss sophy“

Seite 6: – Interview zur Revolte in Tunesien

Seite 16: – Solidaritätsbekundung aus Kairo an die Occupy-Bewegung

Seite 18: – Kairo, Mitte Dezember

Seite 21: – Neonazistischer Terror und Staatsterrorismus oder
Was wäre die NSU ohne den Verfassungsschutz?

Seite 26: – Interview mit einem Mitglied einer Antifa-Recherche-Gruppe

Seite 30: – Dresden, Berlin, Stuttgart, Hannover: Soko 19/2 on Tour

Seite 32: – Krieg, Atom, Armut. Was sie reden, was sie tun:
DIE GRÜNEN. Eine etwas andere Buchpräsentation

Seite 37: – Doku: Farbe für Burschis

Seite 38: – War starts here! Krieg beginnt hier! Krig börjar här!

Seite 45: – Doku: Brandanschlag auf Rolls-Royce in Hamburg

Seite 47: – war starts here: Militärtagung in Berlin Januar 2012

Seite 50: – Gegen jeden Krieg. Für eine emanzipatorische
antimilitaristische Perspektive

Seite 56: – Freiheit für Sonja und Christian!

Seite 57: – Redebeitrag Gesellschaft für Reaktorsicherheit:
Von unabhängiger Wissenschaft und ungewöhnlichem Widerstand

Seite 59: – Plünderer geben selten Pressekonferenzen / Riots GB

Seite 60: – Strafbefehle verweigern – Staatsanwalt ins Klo

Seite 62: – Ausstieg in Fahrtrichtung Links! VS-Hotline

Seite 63: – Achtung Staatsschutz Hannover

– Rosenpavillon/Raubkopien Verfahren eingestellt

Seite 64: – Ungarn auf dem Weg zum „wahren Ungarntum“

Seite 67: – Ein Gespräch mit der Kampagne Ahoi!
für ein autonomes Zentrum in Linden

Seite 73: – Verfahren gegen hannoveraner Antifas

Online zum Download

Krieg beginnt hier!

Nachfolgend dokumentieren wir einen Aufruf, der in linken Publikationen erschienen ist und den wir interessant und unterstützenswert finden.

War starts here – Kampagne gegen die kriegerische Normalität

Markieren, Blockieren und Sabotieren

Wir rufen auf, aktiv einzugreifen in die kriegerische Normalität und die zahllosen zivilmilitärischen Verflechtungen. Der Fokus unserer Kampagne liegt auf der erweiterten Infrastruktur und der ideologischen Legitimierung von militärischer Gewalt. Wir wollen die verschieden Facetten dieser Herrschaftssicherung sichtbar machen, stören und angreifen. Das Vorbereiten, Üben und Koordinieren von Krieg, das Produzieren, Transportieren, Forschen, Werben und Rekrutieren für den Krieg findet direkt vor unseren Augen statt.

Doch es geht uns um mehr als direkt militärisch erkennbare Rüstungsindustrieen, Bundeswehreinrichtungen und -geräte, Truppenübungs- und Umschlagplätze. Patriarchale und neokoloniale Ideologien und Denkmuster müssen in den eigenen Köpfen als Teil von Militarisierung und Kriegsführung erkennbar gemacht werden. Wir wollen auch zivile Orte und Institutionen – Schulen, Arbeitsagenturen, Universitäten, Berufsmessen – als Orte markieren, in die militärische Formierung und Rekrutierung tagtäglich eindringt. Öffentliche Auftritte der Bundeswehr, bei Stadtfesten, Konzerten der Militärmusikkorps, Reservistenveranstaltungen inmitten der „Zivilgesellschaft“ sowie das „hilfstätige“ Unterwandern und Koordinieren von ziviler Infrastruktur in Krankenhäusern und beim Katastrophenschutz, können verhindert werden.

Das militärische Führen und Kontrollieren von Konflikten wird in immer mehr Situationen offensiv als alternativlos propagiert. Krieg wird weiter normalisiert, ob humanitär etikettiert, mit der Doktrin der „responsibility to protect“ (Verantwortung zu schützen) oder offen ökonomisch begründet zur Durchsetzung von „freien Rohstoff- und Handelsströmen“. Der Kriegseinsatz der Nato gegen Libyen zum „Schutz der Zivilbevölkerung“ und das gleichzeitige Inkaufnehmen des Ertrinkungstodes hunderter flüchtender Menschen im Mittelmeer durch die repressive Abschottung der EU, macht den menschenverachtenden Zynismus dieser Politik deutlich.

Die Sicherung von staatlicher Herrschaft und die Durchsetzung ökonomischer Interessen machen den Kriegszustand allgegenwärtig. „Ob völkerrechtlicher Angriff oder innerstaatliches Verbrechen, ob Kombattant oder Krimineller, ob Krieg oder Frieden: Die überkommenen Begriffe verlieren ihre Trennschärfe und damit ihre Relevanz“ (Schäuble, Jan 2007). Unterschiede zwischen Innen und Außen, militärisch und zivil, Polizei und Militär, Krieg und Frieden verlieren ihre Konturen.

Gleichzeitig bereiten Diskurse zur Flüchtlings- und Migrantenabwehr und zur sozialen Ausgrenzung sog. Leistungsunwilliger, den Weg für moderne patriarchale, neokoloniale und rassistische Weltbilder. Wir sollen uns an den permanenten Kriegszustand nach außen und den militarisierten Normalzustand im Inneren gewöhnen. Soldaten und Soldatinnen „helfen“ beim Castor, jagen Piraten, und bilden Polizisten und Polizistinnen in Afghanistan aus. Entwicklungshilfeminister Niebel fordert (nicht nur) im Kontext des zehnjährigen Krieges in Afghanistan von allen „zivilen“ Hilfs- und Wiederaufbauorganisationen militärischen Gehorsam. Popstars stärken der Bundeswehr an der Front den Rücken. Nicht erst seit der diesjährigen Aussetzung der Wehrpflicht versucht eine immense Rekrutierungs- und Werbeoffensive, eine militärische Durchdringung des „Zivilen“ und den gesellschaftlichen Rückhalt der „Heimatfront“ abzusichern.

Von der „Ablehnung“ des Krieges …

In einem von wikileaks veröffentlichten Report zum Krieg in Afghanistan warnt die CIA davor, dass „[…] eine in Frankreich und Deutschland vorhandene passive Ablehnung der Kriegsbeteiligung in eine aktive und politisch bedeutsame Feindschaft umschlagen könnte“.

Die hier vorgeschlagene Kampagne ist Teil von europaweiten antimilitaristischen Aktivitäten. Wir wollen dazu beitragen, diese „passive Ablehnung“ eines Großteils der Bevölkerung in sichtbar „aktives Handeln“ gegen Krieg und Militarisierung zu verwandeln. Dazu halten wir es für nötig, das Krieg(s)Treiben in all seinen Facetten hier vor Ort sicht- und angreifbar zu machen. Die Kampagne ist offen für alle, die ihre Aktivitäten in diesen Kontext stellen wollen.

… zur Sabotage der „Heimatfront“

Es geht nicht nur darum, das Gesicht des Krieges mit all seinen zerstörerischen und tödlichen Konsequenzen offen zu legen, sondern vor allem darum deutlich zu machen: Krieg beginnt hier – war starts here – und ist hier aufzuhalten.

Kriegstreiberei und Militarisierung markieren, blockieren, sabotieren!

Dokumentation: Achtung Staatsschutz

von linksunten.indymedia.org
Staatsschutz Hannover

Egal ob ihr…
… gegen Nazis vorgeht
…das Sommerbiwak und Militär sabotiert
… bei der Bildungsdemo die Bannmeile durchbrecht
… Häuser besetzt
…oder vieles anderes macht
Alle, die widerständig und linksradikal Politik machen, sind mit der Repression des Staatsschutzes konfrontiert.

In Anbetracht dessen wollen wir einen praktischen Umgang damit und spektrenübergreifende Solidarität stärken. Um mehr Klarheit über die Strukturen des Staatsschutzes zu schaffen, fangen damit an Allen unsere Gegenrechercheergebnisse zu Verfügung zu stellen. Wir hoffen damit zu einem adäquaterem Umgang mit den Bütteln beizutragen.
Außerdem wollen wir euch eine Struktur bieten, euch selbst zu beteiligen.“
weiterlesen und alle Fotos in druckbarer Auflösung bei:
linksunten.indymedia.org

VA Anquatschversuche und Aussageverweigerung

In der letz­ten Zeit ist es ver­mehrt zu Ver­su­chen der Be­hör­den ge­kom­men, po­li­tisch Ak­ti­ve und Leute aus deren Um­feld an­zu­quat­schen und zur Zu­sam­men­ar­beit zu nö­ti­gen.
Ziel ist, Men­schen aus po­li­ti­schen Zu­sam­men­hän­gen zu ob­ser­vie­ren, zu be­lau­schen und Daten zu sam­meln.
Das In­nen­mi­nis­te­ri­um hat das An­wer­ben von Spit­zeln an­ge­ord­net!
Ak­tu­ell gibt es ein ver­mehr­tes staat­li­ches In­ter­es­se In­for­man­t_in­nen in lin­ken Zu­sam­men­hän­gen an­zu­wer­ben. Der nie­der­säch­si­sche In­nen­mi­nis­ter Schü­ne­mann hat mehr­fach in In­ter­views be­klagt, dass die linke Szene so schwer für die Re­pres­si­ons­or­ga­ne zu durch­bli­cken sei. Wie auch bun­des­weit durch Bun­des­kri­mi­nal­amt und Ver­fas­sungs­schutz pro­pa­giert, kün­dig­te er an, dem ent­ge­gen zu wir­ken, indem ver­mehrt Spit­zel an­ge­wor­ben oder ein­ge­schleust wer­den. Und so sind auch in Han­no­ver in den letz­ten Mo­na­ten meh­re­re Per­so­nen an­ge­quatscht wor­den.
Im Rah­men der Ver­an­stal­tung soll über Sinn und mög­li­che Ab­läu­fe, sowie Re­ak­tio­nen auf An­quatsch­ver­su­che in­for­mie­rt werden. mehr Infos bei Rote Hilfe Hannover

Do. 20 Oktober 2011 um 20 Uhr im UJZ Korn.

1. Panzerdivision? Verpiss dich!

Die 1. Panzerdivision, deren Stab seit 1956 in Hannover stationiert ist, soll so schnell wie möglich nach Oldenburg verlegt werden. Dies verlautete am Montag in Berlin – verbunden mit dem Hinweis, dass Verteidigungsminister Thomas de Maizière die Entscheidung erst am 26. Oktober offiziell verkünden werde. Am selben Tag will die Bundesregierung auch mitteilen, welche Standorte weiterhin von der Bundeswehr genutzt werden sollen und welche Kasernen geschlossen werden.
HAZ dazu

Jetzt stehts also fest: Die 1. zieht nach Oldenburg. Wir verabschieden sie mit einem herzlichen: Verpiss dich!
Es wird aber auch noch Gelegenheit geben den Abschied gebührend zu zelebrieren.
Am 30.11. ist das Adventskonzert der 1. Panzerdivision in der Neustädter Stadt- und Hofkirche in Hannover.
und am 29. Juni 2012 soll, laut der Veranstaltungsagentur invite, im Stadtpark Hannover wieder das Sommerbiwak stattfinden.

Ansonsten hoffen wir auf einen heißen Empfang der 1. in Oldenburg:
Brandanschlag auf Bundeswehrdepot in Oldenburg
Brandanschlag auf Bundeswehrdepot in Oldenburg Februar 2011

Autonomes Blättchen Nr. 7 ist da!

Das Autonome Blättchen Nr. 7 kommt zwar etwas später heraus als geplant, dafür aber mit einer sehr erfreulichen Nachricht: Das Verfahren, wegen dem diese Zeitung gegründet wurde, ist eingestellt worden! Wegen Mangel an Beweisen gibt es nun keinen Prozess wegen versuchter Brandstiftung gegen den Genossen. Die Soligruppe, von der das Zeitungsprojekt ja seit Anfang des Jahres autonom existiert, hat einen kleinen Text dazu verfasst. Diesen teilt die Redaktion inhaltlich voll und ganz und gratuliert zu über 2 Jahren solidarischer Unterstützungsarbeit.
In dieser Ausgabe geht es auch um andere Aktionen gegen Militarismus – jedoch bleibt dabei das Agieren der Gegenseite nicht unbeachtet. So ist einen Text im Repertoire, der sich mit der Enttarnung von und dem Umgang mit Bullenspitzeln beschäftigt. Und es gibt eine Fortsetzung der Castor-Schottern-Debatte.
Überregional relevant ist außerdem den Diskussionsbeitrag der Gruppe „Das Grollen des Excytzyufggd…“
(oder so ähnlich). Es lohnt zu lesen und einige Aspekte zu diskutieren.
Ansonsten gibt´s einen großen, interessanten Batzen mit regionalem Bezug.
Das ist aber auch für die Nicht-Hannoveraner_innen lesenswert! Zum Beispiel die „Kampagne Ahoi – für ein
autonomes Zentrum“ und Historisches zum ollen Haudegen Lettow-Vorbeck. In vielen Städten dürften Plätze und Straßen nach ihm benannt sein.
Na, und es gibt noch einiges mehr zu entdecken in dieser Ausgabe. Blaettchen Nr. 7 Oktober 2011 und Was ist das Blättchen

Verfahren wegen versuchter Brandstiftung am Rosenpavillon eingestellt

PM der Soligruppe
Am 03.09.2011 bekam der ehemalig Beschuldigte mitgeteilt, dass das seit 2009 gegen ihn laufende Verfahren, wegen der versuchten Brandstiftung am Rosenpavillon, eingestellt wurde. In der Nacht zum 10.08.2009 hatten Unbekannte versucht den Rosenpavillon im Stadtpark Hannover anzuzünden. Der Rosenpavillon dient während des jährlich stattfindenden Bundeswehr-Sommerbiwak als VIP-Bereich. In einem Schreiben erklärten die Verantwortlichen sie hätten „die Stadt symbolisch angegriffen und den Park als Kriegsgebiet markiert“. Der polizeiliche Staatsschutz eröffnete gegen eine Person ein Verfahren wegen versuchter Brandstiftung und durchsuchte am 21.08.2009 die Wohnung des Beschuldigten. Die Staatsanwaltschaft Hannover stellte das besagte Verfahren am 22.08.2011 aus Mangel an Beweisen ein.
Klaus Lochter, der den ehemalig Beschuldigten seit 2009 in einer Unterstützungsgruppe solidarisch begleitet hat, äußerte sich dazu umfassend : „Wir begrüßen die Einstellung sehr. Wir freuen uns aber nicht nur darüber, dass unser Genosse nun nicht mehr von einer Verurteilung bedroht ist. Wir freuen uns auch darüber, dass es der Polizei bis heute nicht gelungen ist diejenigen zu ermitteln, die versucht haben den Rosenpavillon aus Protest gegen das Bundeswehr-Sommerbiwak anzuzünden.
Es ist wenig überraschend, dass die Staatsanwaltschaft und der polizeiliche Staatsschutz die Einstellung den Medien gegenüber verschweigen. Schließlich hatten sie nicht nur nach der Hausdurchsuchung bei dem ehemalig Beschuldigten im Jahr 2009, sondern auch nach dem es 2010 einen erfolgreichen Brandanschlag auf den Rosenpavillon gab, so getan als sei ein Schuldiger bereits ermittelt. Diese Vorverurteilung diente lediglich dazu den Widerstand gegen Krieg, Bundeswehr und Biwak einzuschüchtern und zu kriminalisieren. Dass dies nun gescheitert ist, nehmen wir zum Anlass erneut festzustellen: Kriminell sind diejenigen, die Kriege führen und nicht diejenigen, die Widerstand dagegen organisieren. Wir fordern weiterhin alle Menschen auf mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Krieg und Militär vorzugehen. Zu guter Letzt wollen wir den vielen hundert Menschen danken, die unsere Solidaritätsarbeit in den letzten zwei Jahren mit ihrer Hilfe, Teilnahme an Demos, Geld oder einfach ein paar solidarischen Worten unterstützt haben.“

Archiv antimilitaristischer Berichte aus Hannover

Widerstand gegen Sommerbiwak 2011

von linksunten.indymedia.org
Gestern hat das 38. Sommerbiwak der 1. Panzerdivision Hannover stattgefunden.
Mit drei Demos, vielen kleinen Aktionen und einigen militanten Aktionen im Vorfeld wurde versucht das Fest der Militaristen und Militaristinnen zu stören und die anreisenden Gäste zu verjagen.
Auch wenn die Demos durchgängig erfreulich offensiv, laut und aggressiv waren, ist es den Bullen insgesamt gelungen den Stadtpark und das Congress Centrum abzuschirmen.
Leider ging nicht nur die Zahl der Biwakgäste erneut stark zurück. Auch die Demos waren mit ca. 300 Teilnehmer_innen deutlich weniger gut besucht als im letzten Jahr.
Die Bullen nahmen mehrere Rauchbombenwürfe auf sie und ihre Pferdestaffel zum Anlass eine Person brutal anzugreifen und dabei sie sowie zahlreiche solidarisch zu Hilfe Eilende mit Pfefferspray- und Knüppeleinsatz zu verletzten.

Ab 17 Uhr versammelten sich zahlreiche Antimilitarist_innen vor Hannovers Congress Centrum um lautstark gegen das Gartenfest der 1. Panzerdivision und der Stadt Hannover zu protestieren und die anreisenden Gäste zu stören. Nach einer kurzen Auftaktkundgebung zog der erste Demozug mit ätzender Krachmusik entlang des Stadtparks. Zweimal musste dabei laut Auflage die Musik unterbrochen werden „um die Ohren der eingesetzten Beamten zu schonen“. Diese Pausen wurden für Redebeiträge, die Gäste und Soldaten angriffen, genutzt.
Sowohl Musik als auch der Redebeitrag waren derart laut, dass sie im Stadtpark gehört wurden.
Auf dem Rückweg gerieten einige mit der Bahn anreisende Gäste direkt in die Demo und wurden, zwar sichtlich geschockt aber recht schnell, von den Bullen gerettet.
Anschließend zog eine zweite Demo durch das angrenzende Zooviertel zum Hindenburg Haus und zurück zum Theodor-Heuss-Platz. Dabei wurde die ungebrochene Tradition des deutschen Militarismus, die nicht zuletzt durch die Ehrenbürgerschaft Hindenburgs in Hannover deutlich wird, thematisiert.
Am Platz angekommen lief die Demo weiter Richtung Congress Centrum und die ersten Rauchbomben flogen. Den Bullen gelang es aber schnell die Demo wieder auf den Platz abzudrängen. Ein paar weitere Rauchbomben flogen und einige Gäste verirrten sich erneut in die Demo um dann zügig wieder heraus zu straucheln.
Kurze Zeit später griffen Festnahmeeinheiten eine Person an. Diese konnte, trotz eines eingelegten Sprints, leider nicht entkommen und solidarisch zu Hilfe Eilende wurden mit Pfefferspray und Knüppeln angegriffen und mehrere verletzt. Auch die festgenommene Person wurde noch nach der Festnahme geschlagen und ein Ohrring wurde herausgerissen. Ihr wird nun Verstoß gegen das Versammlungsgesetz (Pyrotechnik) und Widerstand vorgeworfen. Sie und eine weitere wegen angeblicher Vermummung herausgegriffene Person wurden am Abend wieder entlassen. Beide sind wohl auf. Durch den Polizeiangriff verzögerte sich die Abschlussdemo stark, zog dann aber erneut lautstark und wütend entlang des Stadtparks zum Stabssitz der 1. Panzerdivision.

Im Vorfeld des diesjährigen Biwaks hat es zwar weniger militante Aktionen gegeben als das letzte Jahr, aber die Aktionen, die es gab haben in Stadt für ziemliche Furore gesorgt. Insbesondere die Markierung der Wohnung eines Leutnants, der Vorsitzender der Reservistenkameradschaft an der Uni Hannover ist, hat die Bundeswehr, ihre Freude und Freundinnen geschockt und war sowohl medial als auch beim Fest selber (u.a. in der Rede des Bürgermeisters Weil) Thema. (Militante Aktionen im Vorfeld)
Auch Plakate, die die Verwundung des Kommandeurs der 1. Panzerdivision und der ISAF in Nordafghanistan mit: „Am 8. Juli ist wieder Sommerbiwak, diesmal gibt es was zu feiern – Endlich hats den Richtigen erwischt!“ kommentierten, haben einen sensiblen Punkt getroffen.
( BILD und die CDU sind entsetzt und der Bundeswehrverband ebenfalls )

Der deutliche Rückgang der Gästezahlen verdeutlicht, dass es selbst einigen eingefleischten Militaristen und Militaristinnen, angesichts der „eigenen Toten“ (afghanische Opfer interessieren da sowieso keinen), komisch vorkam zu feiern.
Die Weigerung des Pressesprechers des antimilitaristischen Aktionskreises Region Hannover (AMAK) sich von militanten Aktionen zu distanzieren, hat zwar zu einer Anzeige von Hannovers CDU-Chef Dirk Toepfer wegen vermeintlichen Aufruf zu Straftaten aber nicht zu einem Konflikt im Bündnis geführt. Dies zeigt einerseits eine Stärke des Bündnisses und andererseits, dass die Militaristen und Militaristinnen, ziemlich nervös und angepisst waren.
Auch wenn es nicht gelungen ist den Widerstand weiterzuentwickeln, bzw. an Betracht der geringeren Demonstrant_innenzahl und weniger Aktionen eingestanden werden muss, dass es im Gegenteil schon mal besser gelaufen ist, kann man festhalten, dass auch die Jahre langen Ächtungen und und Angriffe auf Gäste stark dazu beigetragen haben, dass immer weniger kommen.
Die Zahlen die heute durch die Presse geistern (5.000 – 5.500) sind eher unglaubwürdig, da noch vor drei Tagen weniger als 3.000 Karten vergeben waren. Doch selbst wenn es 5.000 gewesen sind, sind es trotz des massiven Verteilens von Freikarten, weniger als im letzten Jahr.
( Deutlich weniger Gäste )
Insgesamt muss aber eingestanden werden, dass die diesjährigen Proteste gegen das Kriegsfest in Vergleich zum letzten Jahr an Dynamik verloren haben.
Auch sind Bundeswehr und Bullen jedes Jahr besser auf Proteste und Störversuche eingestellt. Einerseits wird die Demo mittels Auflagen und direkten Angriffen immer weiter eingeschränkt andererseits werden die Gäste mittlerweile zum aller größten Teil nicht mehr entlang der Kundgebung/Demos sondern durch einen Seiteneingang und mit Pferdestaffel, Hubschrauber Bullen auf Hausdächern einem Heer von Zivis bewachten Wegen geschleust.
Die antimilitaristische Bewegung in Hannover muss neue Wege finden, effektiv zu stören.
Dass deutlich weniger Leute motiviert werden konnten an den Protesten teilzunehmen, lässt sich nicht alleine auf eine schlechtere Mobilisierung und einen allgemeinen Abschwung antimilitaristischer Aktionen, erklären. So sehr die jahrelange Belagerung des Stadtparks auch gestört hat, so sehr war auch die Befürchtung richtig, dass die Mobilisierungsfähigkeit nachlässt, wenn es nicht etwas deutlich neues gibt.
Im Herbst entscheidet sich ob die 1. Panzerdivision nach der Bundeswehrreform in Hannover bleibt oder, wie bereits spekuliert wird, nach Oldenburg umzieht. Danach muss die antimilitaristische Bewegung diskutieren wie es weiter gehen kann. Die Mobilisierungen gegen das Biwak waren strategische Entscheidungen. Es ist ein Punkt an dem es gelungen ist die Bundeswehr und ihr Werben um Akzeptanz aus der Normalität zu reißen, es war aber nie ein Punkt an dem wirklich existenzielle Strukturen der Kriegsführung angegangen werden konnten.
In jedem Fall muss diskutiert werden ob die strategische Linie die Bundeswehr zu ächten und mittels eines Bedrohungsszenarios Unterstützer und Unterstützerinnen zu verjagen, weiterhin der Schwerpunkt seien sollte. Das Biwak war ein guter Punkt, auch weil es leichter angreifbar ist als die für die Kriegsführung wesentlich wichtigeren Strukturen wie die Feldjägerschule, in der In- und ausländische Militärs in Aufstandsbekämpfung trainiert werden oder der Fliegerhorst in Wunstorf, der zum zentralen (und wahrscheinlich zukünftig einzigen) Standort des Luftwaffentransportgeschwaders ausgebaut wird.
Wie können wir in Zukunft von einer Ächtung und symbolischen Angriffen zu einem tatsächlichen Eingreifen in Militarisierung und Kriegsführung kommen?
Auch wenn das Biwak gar nicht mehr stattfinden sollte, hat sich diese Frage nicht erledigt.
Wenn es in Oldenburg stattfinden sollte, eröffnet das vielleicht Möglichkeiten gemeinsam mit den oldenburger Genoss_innen neue Wege zu gehen.
Doch auch wenn es weiterhin in Hannover stattfinden sollte, wird sich etwas ändern müssen. Denn so gut es ist, dass das was gelaufen ist, reicht um Schlagzeilen wie, „Belagertes Biwak – feiern unter Polizeischutz“ und „Chaoten attackieren Sommerbiwak“ und ein damit verbundenes Bedrohungsszenario zu produzieren, so sehr stimmt es auch, dass der Krawall in der Zeitung den Krawall auf der Straße nicht ersetzten kann.

Militante Aktionen im Vorfeld:
Erklärungen und Presseschau

HAZ zum Widerstand 2011 mit Bildergalerie:
Biwak-Gegner protestieren mit Rauchbomben

HAZ zum Kriegsfest:
Viel Prominenz beim Sommerbiwak

Neue Presse mit Bildergalerie:
Polizei stoppt Biwak-Gegner mit Reizgas

BILD mit Bildergalerie:
Chaoten attackieren Sommerbiwak

Kyffhäuser Nachrichten mit vielen Bildern von drinnen:
Biwak in Hannover

NDR mit kurzen Video von drinnen und Demo der Friedensbewegung in der Innenstadt:
Sommerbiwak bleibt weitgehend friedlich

Artikel zum letzten Jahr:
Widerstand gegen Biwak 2010

Das Desaster für die Truppe fängt schon an

Wie der Neuen Presse (NP) von heute zu entnehmen ist, wurden bisher unter 3.000 Karten für das Sommerbiwak der 1. Panzerdivision am Freitag den 8. Juli vergeben. Selbst diejenigen, die die letzten Jahre noch mit der Bundeswehr gefeiert haben, scheinen sich das Motto der Proteste „Keine Feier mit der 1. Panzerdivision“ zu Herzen zu nehmen.
2008 noch 6.500 Gäste, 2010 nur noch 5.500, 2011 weniger als 3.000!
Dabei hatte die Truppe kurzfristig die ausrichtende Eventagentur ausgetauscht. Die neue Agentur, die invite Gehry Tower GmbH, hatte auf ihrer Homepage verkündet mit 7.000 Gästen zu rechnen und damit den Abwärtstrend der letzten Jahre zu stoppen. Auch der Pressesprecher der 1. Panzerdivision Thomas Poloczek versucht in der Neuen Presse Optimismus zu verbreiten: „In den letzten Tagen werden immer viele Karten verkauft.“ Er rechne mit 5.000 Gästen.
Doch, dass das diesjährige Biwak zum Desaster für die Truppe wird, ist schon jetzt nicht zu übersehen.
Die zweckoptimistische Lüge des Oberstleutnants ist offenkundig.
Zum einen wurden in den letzten Tagen vorm Biwak niemals noch viele Karten verkauft, da der Verkauf einen Monat vorher endete und dieses Jahr nur aufgrund der Unlust der Bevölkerung mit den Kriegern zu feiern, noch läuft. Zum anderen wären selbst 5.000 Gäste, von denen so viele wie nie zuvor mit Umsonstkarten geködert wurden, ein deutlicher Misserfolg für die Bundeswehr.
Einerseits scheint das, durch den „schmutzigen Protest“ (NP) gegen den sauberen Krieg, erzeugte Bedrohungsszenario Vielen die Lust auf eine Feier mit immer massiveren Sicherheitsmaßnahmen, bei der man sich trotzdem bepöbeln, bewerfen oder gar bedrohen lassen muss, genommen zu haben. Andererseits finden es wohl selbst einige eingefleische Militärfreundinnen und Freunde zynisch, zu feiern während „unsere Jungs“ verrecken.
Wir bereiten uns also mit einem breiten Grinsen auf die Proteste und den Widerstand am Freitag vor und werden das Militärfest endgültig zum Desaster zu machen.

Auf, Auf – Am 8. Juli ist (ein geschrumpftes) Sommerbiwak!
Keine Feier mit der 1. Panzerdivision!
Militärfest zum Desaster machen!

Militante Aktionen im Vorfeld des Sommerbiwaks 2011
Bericht Widerstand 2010
Infos zum Widerstand 2011



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