Diese Seite soll gruppenübergreifend über den antimilitaristischen Widerstand in Hannover informieren. Auf der Startseite befinden sich ganz oben Hinweise zu aktuell anstehenden Veranstaltungen und Aktionen. Weiter unten gibt es die Berichte zu früheren Aktionen. Außerdem gibt es ein Archiv mit allen Artikeln zu antimilitaristischen Aktivitäten in Hannover seit 2001, die wir auftreiben konnten und eine Terminübersicht, eine Text-, eine Material- und eine Linksammlung. Seit neuestem ist das „autonome Blättchen – gegen Repression und für antimilitaristische Praxis“ zu Gast auf unserer Seite.
…seht euch um

Am Dienstag den 9. Februar soll sich der Totalverweigerer Fabian aus Lübeck vor dem Amtsgericht wegen „Dienstflucht“ verantworten. Wenige Stunden nachdem er den Zivildienst angetreten hatte, entschied er sich keinen Zwangsdienst zu leisten und verließ die Dienststelle.
Er wurde mehrmals von verschiedenen Behörden und Gerichten dazu aufgefordert seinen Zivildienst anzutreten. Aufgrund der wiederholten Verweigerung kommt es jetzt zum Prozess:
Di. 9.Februar 2010, 11:15, Amtsgericht Lübeck, Saal 263
Kommt vorbei! Seid solidarisch!
Gegen jede Form von Zwangsdienst, ob in Uniform oder ohne!
Infos zu Kriegsdienstverweigerung von SoldatInnen:
http://www.zentralstelle-kdv.de/z.php?ID=5
weitere Infos zur Totalverweigerung:
http://www.militarismus-jetzt-stoppen.de.vu
http://totalverweigerung.blogsport.de/
Uns wurde der Text „Angiffsfläche!? Oder ein Abwehrkampf ist ein Abwehrkampf ist ein Abwehrkampf“ von den Beauftragten der Selbstorganisation für antimilitaristische Praxis und Aufstand (BeaSoaPA) zugesand (kontroll-verlust[ät]web.de). Auch wenn er sich nicht mit Antimilitarismus beschäftigt, haben wir uns entschieden der Bitte zu folgen ihn online zu stellen, da er sonst nicht im Netz zu finden wäre und wir es gut fänden wenn unsere Seite mehr zur Veröffentlichung eigener Texte genutzt wurde Ihr findet ihn unter Texte
Zum 4.1.2010 wurde Finn Ingwersen aus Bredstedt (Nordfriesland) zum Wehrdienst im 7.Bataillon Elektronische Kampfführung 912 in der Clausewitz-Kaserne in Nienburg/Weser eingezogen. „Ich bin zur Bundeswehr gegangen, weil ich wissen wollte, was an den Gerüchten dran ist. Ich dachte: Das sind doch auch nur Menschen. Das kann doch nicht so schlimm sein.“ Mittlerweile sieht Finn das anders: „Erst hier beim Bund sieht man Waffen in Wirklichkeit. Das ist ganz anders als im Fernsehen. Erst hier habe ich verstanden, dass diese Dinger nur zum Töten da sind!“ Außerdem verstünde er nicht, wie sich Menschen ernstlich einbilden könnten, dass sie ausgerüstet mit diesen Tötungsinstrumenten Schulen bauen oder Brunnen bohren könnten. Zudem seien ihm seit seinem Einrücken ernsthafte Zweifel an der Legitimität eines bewaffneten Zwangsapparates wie der Bundeswehr gekommen. Am Montag den 11.1.10 hat Finn seinen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung abgegeben. „Da ich aus meinen Zweifeln keinen Hehl gemacht habe, wurde mir bereits mit Arrest gedroht.“ Besonderes Streitthema mit seinen Vorgesetzten seien bisher Finns lange rote Dreadlocks gewesen. Da er sich weigerte, diese abzuschneiden, wurde ihm eine Frist bis Sonntagabend gesetzt, diese zu entfernen. Für den Fall, dass er am Morgen die Haare noch habe, wurde ihm direkt mit 28 Tagen Arrest gedroht. Doch Finn hat Unterstützer: „Wir werden Finn nicht im Stich lassen. Für den Fall, dass der KDV-Antrag verschleppt, oder Finn im Arrest landet, werden wir Druck auf die Bundeswehr aussüben!“ sagte Jan Hansen vom der Husumer Initiative militarismus-jetzt-stoppen. Es bereits jetzt wichtig, an Finn zu schreiben, da damit zum einen den Militärs gezeigt werde, dass es eine kritische Öffentlichkeit zu Finns Fall gebe, und außerdem würde dies den Verweigerer in seinem Beschluss bestärken, fügte Hansen hinzu. Schreibt bitte an:
Finn Ingwersen,
Clausewitz-Kaserne,
7. Bataillon elektronische Kampfführung,
Am Rehhagen 10,
31573 Nienburg/Weser!
Infos zur Kriegsdienstverweigerung von SoldatInnen:
http://www.zentralstelle-kdv.de/z.php?ID=5
mehr Infos:
http://www.militarismus-jetzt-stoppen.de.vu
http://totalverweigerung.blogsport.de/
„Es kommen nur so viele Leute hier rein, wie Sitzplätze vorhanden sind.“ Einer der beiden Zwei-Meter-Security-Männer schiebt mehrere protestierende Leute wieder in den Flur hinaus und schließt die Tür des Gerichtssaales. Die Stühle reichen nicht mal für die Hälfte der ca. 100 Besucherinnen und Besucher, die sich am Freitagmorgen um neun Uhr im Flur des hannoverschen Amtgerichts drängeln, wo man auf so viel öffentliches Interesse anscheinend nicht eingestellt ist – oder doch? Denn Sicherheitskräfte der Justiz sind reichlich vorhanden.
Angeklagt ist Mechthild Dortmund, die – so die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft – als Anmelderin der Walpurgisnachtdemonstration gegen Patriarchat und Nazis vom 30.04.09 in Hannover gegen mehrere von der Ordnungsbehörde erlassene Auflagen verstoßen habe.
In Niedersachsens Landeshauptstadt ist die zuständige Demoanmeldebehörde nicht das Ordnungsamt wie andernorts üblich, sondern gleich die Polizei selber, die umgehend die ihr notwendig erscheinenden Auflagen erlassen und durchsetzen kann sowie dann auch Verstöße dagegen ermittelt und vor Gericht bezeugt. Alles liegt in einer Hand und die Restriktionen bei Demonstrationen wurden in den letzten Jahren immer ausufernder und phantasievoller.
Für die geplante Demonstration in der Walpurgisnacht konstruierte die Polizei eine besondere Gefahrenlage und marschierte in großer Zahl auf: Am nächsten Tag, dem 1. Mai 2009, wollten nämlich Neonazis durch Hannover marschieren, und die Frauen vom Walpurgisnachtbündnis hatten sich in ihrem Aufruf ausdrücklich auch gegen die Provokation der Rechten positioniert. Der Demoleitung war ein ganzer Auflagenkatalog auferlegt worden: u.a. Straßenbahngleise freizuhalten; Transparente nicht breiter als 4 m und nicht miteinander verbunden; Verbot von Glasflaschen, Feuerwerkskörpern und Hunden, einschließlich Blindenhunden (!). Trotz dieser Auflagen und einer von Beginn der Demo an ausgesprochen aggressiv auftretenden Einsatzleitung verlief die Demonstration zwar laut, aber friedlich und wurde wie geplant und den Auflagen entsprechend durchgeführt.
Das hinderte die Staatsanwaltschaft nicht daran, die Anmelderin anzuklagen, gegen drei Auflagen verstoßen zu haben: Sie habe nicht dafür gesorgt, dass die Straßenbahnschienen frei blieben, Transparente seien länger als vier Meter und miteinander verknotet gewesen, darüber hinaus seien auch noch Glasflaschen im Demonstrationszug gesichtet worden – Behauptungen, die von der Angeklagten und ihre Anwältin bestritten wurden.
Bereits zu Beginn der Verhandlung bemerkte der Richter, dass ja derartige Demonstrationsauflagen umstritten seien und er sie in diesem Fall allein deshalb für problematisch halte, weil sie mit der besonderen Gefahrenlage am 1. Mai begründet würden, nicht aber mit der Situation am Abend der Walpurgisnachtdemo. Da es sich beim Demonstrationsrecht um ein demokratisches Grundrecht handle, müssten etwaige Auflagen konkret auf die jeweilige Demonstration bezogen sein, andernfalls seien sie rechtswidrig. Einer der zwei als Zeugen der Anklage geladenen Polizeibeamten erschien nicht, da er seine Aussage nur „auf Zuruf“ gemacht habe, die von ihm behaupteten Auflagenverstöße aber nicht selbst gesehen habe. Die dann namens ihrer Mandantin verlesene Einlassung der Anwältin entkräftete die Beschuldigungen so überzeugend, dass der Prozess schneller beendet war als er begonnen hatte. Das Verfahren wurde gegen eine Zahlung von 150 Euro an eine migrantische Frauengruppe aus Hannover eingestellt.
Sehr geehrte Gemeinde,
sehr geehrter Vorstand der Neustädter Hof- und Stadtkirche,
wir schreiben Ihnen einen offenen Brief, weil wir denken, dass es sich bei Folgendem um ein Politikum von öffentlichem Interesse handelt, dass nicht privat verhandelt werden kann.
Am Abend des 6. Dezember 2009 haben wir am Ende des Gottesdienstes versucht, in der Neustädter Hof- und Stadtkirche eine Mahnwache durchzuführen. Diese richtete sich gegen die Kriege der Bundeswehr und das Adventskonzert der 1. Panzerdivision, das am 8. Dezember dort stattfand. Der Kirchenvorstand ließ sich auf unseren friedlichen Protest in keiner Weise ein, veranlasste nach einer halben Stunde die Räumung durch die Polizei und erstattete Anzeigen wegen Hausfriedensbruch.
Am Montag den 4. Januar gab es ein Telefongespräch zwischen einem Mitglied unserer Initiative und dem Kirchenvorstandsvorsitzenden Andreas Kehler.
Im Verlauf dieses Gesprächs bot Herr Kehler an, die Anzeigen wegen Hausfriedensbruch gegen uns zurück zu ziehen, wenn wir im Gegenzug zusichern würden, zukünftig keine Gottesdienste in der Neustädter Kirche zu stören und dort Aktionen zu unterlassen.
Gleichzeitig erklärte Herr Kehler, die Polizei Hannover habe gedroht, falls die Anzeigen zurückgezogen würden, werde sie zukünftig auf Anrufe der Neustädter Kirche nicht mehr reagieren.
Es war nie unsere Absicht, Gottesdienste zu stören und wir werden dies auch in Zukunft nicht tun. Wir respektieren das Bedürfnis der Gemeinde nach ungestörten Gottesdiensten und haben deshalb unsere Aktion am 6. Dezember erst nach dem abschließenden Segen durch die Landesbischhöfin Käßmann begonnen. Eine Störung des Gottesdienstes war nicht unser Ziel.
Der Erpressungsversuch der Polizei ist eine unhaltbare Unverschämtheit. Sie zeigt den unbedingten Verfolgungswillen gegen AntikriegsaktivistInnen. Der Kirchenvorstand hat uns der Kriminalisierung durch die Polizei ausgeliefert. So trägt er die Verantwortung für die unverhältnismäßige Repression gegen uns. Diese umfasste eine Räumung unter Gewaltanwendung, stundenlanges Gewahrsam, nackt Ausziehen, die Speicherung von Fotos und Fingerabdrücken, sowie ein 50stündiges Aufenthaltsverbot für die Calenberger Neustadt und Teile der City.
Wir fordern alle Kirchenmitglieder auf, insbesondere angesichts der aktuellen Debatte um den Afghanistankrieg, sich beim Vorstand der Neustädter Kirche zu beschweren.
Wir fordern den Kirchenvorstand auf, den Drohungen der Polizei nicht zu folgen und die Anzeigen zurück zu ziehen.
Wir werden weiterhin gegen öffentliche Veranstaltungen der kriegführenden Bundeswehr protestieren, wo immer sie auch stattfinden.
Mit freundlichen Grüßen, die Teilnehmenden der Mahnwache
Im Folgenden wird ein stichpunktartiger Überblick zu den Ereignissen während des NATO-Gipfels in Strasbourg im April 2009 gegeben. Oft wird vergessen, dass die Repressionen für die Betroffenen noch lange nach dem eigentlichen Protesten spürbar sind. Immer noch stehen Prozesse aus und Menschen sitzen im Knast. Dies sollte kein Thema sein, an dem sich einzelne Gruppen speziell abarbeiten, vielmehr sollte Solidarität aus den politischen Aktivitäten aller hervorgehen und allgegenwärtig sein.
Auch die aktuellen Beispiele in Kopenhagen zeigen, dass die Unterdrückung von Protest mit staatlichen Mitteln jeden Menschen treffen kann. Die einzelnen europäischen Polizeibehörden arbeiten immer besser zusammen und tauschen „Strategien zur Aufstandsbekämpfung“ aus und nennen es „Managing Crowds“. Demzufolge ist es offensichtlich, dass Antirepressionsarbeit besser vernetzt werden muss und nicht den Charakter eines Events haben kann. Ein Denken in Schwarz-Weiß-Schemata, bezüglich unterschiedlicher Protestformen und darauf folgende Repression, erübrigt sich bei mehr als tausend Festnahmen. Die Null-Toleranz-Einstellung der EU-Polizeien und Behörden ist deutlich geworden, lasst uns ihr entschlossen entgegentreten.
Die Zusammenfassung der Repression von Strasbourg findet ihr unter folgendem Link: http://breakout.blogsport.de
von indymedia 21.12.2009
Die Ermittlungsbehörden drängten darauf, vor dem alljährlichen Event der 1. Panzerdivision, dem sog. Sommerbiwak am 28. August, die Hausdurchsuchung durchzuführen. Offensichtlich,um einen Hebel zu haben, den Aktionstag gegen das militaristische Ereignis
zu kriminalisieren und Teile der antimilitaristischen Szene einzuschüchtern. So kamen die Herren des Morgengrauens denn am 21. August in aller Herrgottsfrühe in die WG von M. und machten Razzia.
Am 11. August wurden auf dem städtischen Parkgelände, das ausersehen
ist, alle Jahre wieder die Begeisterung für Militarismus und Krieg zu entflammen, zwei Eimer gefunden, in denen Plastikflaschen steckten, die dann später von den Ermittlern als „Molotowcocktails“ bezeichnet wurden. Diese Vorrichtungen waren offensichtlich geeignet, dort einen riedgedeckten Pavillon (VIP Bereich beim Biwak) zum Mahnmal gegen Krieg und Imperialismus umzufunktionieren.
In einer Erklärung dazu wird dies ausgeführt. „Wir haben die Stadt Hannover als Kriegpartei symbolisch angegriffen und den Stadtpark als Kriegsgebiet markiert.“ Was die AutorInnen der Erklärung allerdings nicht wussten, war, dass dies misslang.
Der Staatsschutz begann hochtourig zu ermitteln. Das Landeskriminalamt wurde eingeschaltet. Die Herkunft der Eimer wurde ausgelotet, das Sortiment der hannoverschen Baumärkte abgecheckt, das Material der Videoüberwachung derselben durchforstet. Auf den Aufzeichnungen vom 27. Juli hofften die Ermittler fündig geworden zu sein.
Ein eimerkaufender Mensch wurde auf den Videobändern erspäht, sowohl drinnen im Baumarkt an der Kasse, als auch draußen auf dem Parkplatz, wie er radelt. Die Staatsschützer glauben, dass es sich hierbei um M. handeln müsse. Ausgerüstet mit einer Strafanzeige wegen „versuchter Brandstiftung“ und „Verstoß gegen das Waffengesetz“ (pyrotechnische Vorrichtungen, die geeignet sind, Feuer oder Explosionen zu entwickeln, gelten als „Waffen“), wurde bei der Staatsanwaltschaft ein Durchsuchungsbefehl erwirkt, der auf jeden Fall vor Beginn des Sommerbiwaks erfolgen solle.
Um zu untermauern, dass es sich hier bei um die Ermittlungen in einem Gesinnungsprozess zu handeln habe, insbesondere um die Dringlichkeit des Antrags auf Hausdurchsuchung zu unterstreichen, wurde M. zum „Straftäter“ befördert,indem eine Liste verschiedener Demonstrationen und Aktionen beigelegt wurde, wo es zu „Hausfriedensbruch“, „Widerstand“, Sachbeschädigungen“ und „Landfriedensbruch“ gekommen sein soll. Und M. dabei gewesen wäre! Selbstredend wird der Anlass dieser Ereignisse nicht erwähnt, auch nicht, was M. in diesem Zusammenhang wann und wo gemacht haben soll.
Auch nicht, welcher Quellen sich der Staatsschutz hierbei bedient hat. Um die sog. „Straftäterschaft“ zu belegen und die Vorverurteilung zu komplettieren, wird der Hinweis lanciert, M. habe mehrere Antikriegsdemonstrationen angemeldet. Kurz und schlicht: die „Gesinnungsjustiz“ ist am Brüten. Antimilitaristisch zu sein genügt schon, um als „Straftäter“ ausgemacht zu werden!
Bei der Durchsuchung dann wurden vielerlei Gegenstände beschlagnahmt, insbesondere Kleidungsstücke, ein Fahrrad, ein Rucksack und eine Armbanduhr, die die Identität des Eimerkäufers belegen sollen, außerdem Computer, Festplatten, Software, wohl um die Gesinnung der Bewohner (auch im Hinblick auf ihre Affinität zu kriminellen/terroristischen
Vereinigungen) zu testen, dann noch Plastikflaschen, Zigarettenpapier, Knaller und Böller, die wohl als Indiz für „Waffenbasteleien“ herhalten sollen.
Das Verfahren ist auf der Amtsgerichtsebene angesiedelt, trotzdem ein Lehrstück in Sachen Gesinnungsjustiz. Es ist dies im Hinblick darauf, welche Dimensionen die Überwachung des öffentlichen und öffentlich zugängigen („privaten“) Raums inzwischen nicht nur als Instrument der sozialen Kontrolle und Abschreckung hat, sondern im Hinblick darauf, wie sie einsetzbar ist, um politischen Widerstand zu kriminalisieren. Offensichtlich handelt es sich hier um Konserven, die beliebig reaktiviert werden können. Vorschriften nach Löschung der Videos (mindestens nach einer festgelegten Frist), scheint es (informell) nicht zu geben. Auch deutet sich an, dass, nicht nur in Bahnhöfen, Dateien von sog. „Problemgruppen“ nach bestimmten Rastern (Kleidung, sozialen Verhaltensweisen usw.) angefertigt werden, wobei der Informationsaustausch von privaten Wachleuten und Hausdetektiven eingeübt und perfektioniert wird. Jemand der Eimerchen kauft, ist schon verdächtig, wenn er ein schwarzes Basecap trägt, erst recht.
Mittlerweile gibt es Soligruppe zur Unterstützung Aller, die in der Region Hannover der Repression des kriegerischen Deutschlands ausgesetzt sind.
In Hannover ist der Kampf gegen öffentliche Auftritte der Bundeswehr in den Mittelpunkt der antimilitaristischen Aktivitäten gerückt. Erfolgreich wurde gegen Werbetrucks, Messestände und Militaristen vorgegangen. Der Widerstand gegen das Sommerbiwak ist Teil dieses Kampfes.
Wir sind solidarisch mit denen, die wegen der Aktionen gegen das Sommerbiwak der 1. Panzerdivision von staatlicher Repression bedroht sind. Der Anlass, um sich zusammenzufinden, war die Hausdurchsuchung am 21.08.09, wegen des versuchten Brandanschlags auf den Rosenpavillon im Stadtpark. Solidarität ist etwas Konkretes, Praktisches. Sie nützt nichts als Lippenbekenntnis, sie darf sich nicht im freundschaftlichen auf die-Schulter-Klopfen erschöpfen. Solidaritätsarbeit heißt für uns, ein politisches Verhältnis herzustellen, in dem diejenigen nicht alleine gelassen werden, die als politische Menschen von Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht verfolgt werden. In diesem Sinne wollen wir dazu beitragen, dass Betroffene aktive Unterstützung bekommen und dass eine politische Positionierung zu den Aktionen gegen das Sommerbiwak öffentlich diskutiert werden kann. Wir wollen öffentliche Unterstützung organisieren.
Eine eigene Solidaritätsgruppe wegen einer Hausdurchsuchung zu gründen, erscheint Einigen vielleicht etwas übertrieben. Aber die bestehenden Antirepressionsstrukturen haben genügend Arbeit zu leisten. Es ist gut, dass wir uns auf ein konkretes Projekt konzentrieren können. Wir werden nicht versuchen, Unschuldsvermutungen dafür heranzuziehen, dass sich Leute ebenfalls solidarisieren. Grundlage unserer Arbeit als Soligruppe ist das Bewusstsein von der Legitimität und Notwendigkeit radikalen und auch
militanten Widerstandes gegen Militarismus und Krieg.
Einstellung aller Verfahren wegen Aktionen gegen das Sommerbiwak!
Geld wird auch gebraucht – Spendenkonto:
Rote Hilfe e.V.
Kontonr: 0010808858
BLZ: 76010085
Stichwort: Biwak 09
Die Soligruppe gibt eine Zeitung heraus. Diese findest du im Infoladen deines Vertrauens oder online unter: antimilitarismus.blogsport.de/archiv/blaettchen/
Do.31.12.2009 Silvesterspektakel gegen Militär und Polizei
Fette Silvestersoliparty auf drei Ebenen, Elektro, Pop, Trash, mit Sonic Subversion und Dj_anes von Dirtchamber/elektrischer Widerstand, 60 Herz und elektro Science. In Solidarität mit allen Verfolgten Antimilitarist_innen, die In Hannover Stress mit den Bullen haben. ab 22 Uhr UJZ Korn
Seit Jahren engagieren sich Antimilitaristinnen und Antimilitaristen aus Hannover und Umgebung gegen die in der niedersächsischen Landeshauptstadt ansässige 1. Panzerdivision der Bundeswehr. Über ihren kreativen Protest sprachen wir mit Markus von einer antimilitaristischen Aktionsgruppe aus Hannover.
utopia: Am 6. Dezember wurde versucht, nach einem Gottesdienst eine Kirche in Hannover zu besetzen – was hatte die Kirchenbesetzung mit der 1. Panzerdivision der Bundeswehr zu tun?
Markus: Seit zwei Jahren veranstaltet das Heeresmusikkorps der 1. Panzerdivision in der Neustädter Stadt und Hof Kirche in Hannover ein Adventskonzert. Aus unserer Sicht dient das Konzert dazu, die Akzeptanz von Militär und Krieg in der Zivilgesellschaft zu erhöhen. Es war auch nicht der erste Protest gegen das Adventskonzert der Bundeswehr. Die Konzerte gibt es schon seit zehn Jahren, vor zwei Jahren gab es erstmals Aktionen dagegen. Damals fand das Spektakel noch in der Marktkirche, das ist die größte Kirche Hannovers, als offene Veranstaltung statt. Rund 20 Antimilitaristinnen und Antimilitaristen sind damals in die Kirche gegangen und haben während des Militärspiels Transparente ausgebreitet. In Folge wurden die Armee-KritikerInnen von der Polizei aus der Kirche geräumt. Das harte Vorgehen der Polizei gegen friedliche DemonstrantInnen, während der gleichzeitigen Anwesenheit von Soldaten in Uniform hat zu Proteststürmen aus kirchlichen Friedensgruppen und der Kirchengemeinde geführt. Diese hat sich letztendlich dazu entschlossen, das Militärkonzert nicht mehr in ihrer Kirche durchzuführen – seitdem führt die Bundeswehr das Adventskonzert in der Neustädter Stadt und Hof-Kirche durch. Nun ist das Konzert außerdem eine geschlossene Veranstaltung, die weiträumig von der Polizei abgesperrt ist. Daher wollten wir schon einige Tage vor dem Konzert am 8. Dezember aktiv werden und die Räumlichkeit besetzen.
Schon kurz nach einem Gottesdienst am Abend des 6. Dezember habt ihr auf euer Anliegen aufmerksam gemacht. Wie lief die Aktion genau ab?
Wir wollten den Gottesdienst nicht stören und haben zunächst dessen Schluss abgewartet. Nachdem die Landesbischöfin Margot Käßmann ihren Segen gesprochen hatte, sind wir mit einem Transparent nach vorne gegangen und haben darum gebeten, eine kurze Rede halten zu dürfen. Das wurde uns auch eingeräumt. In der Rede haben wir unsere Aktion dann erklärt und begründet: Die Bundeswehr gibt selber an, dass sie mehr Unterstützung aus der Bevölkerung benötigt. Mit Hilfe des als Benefizkonzert ausgegebenen Adventskonzertes versucht sie ihre Akzeptanz zu steigern. Für uns ist der Zusammenhang zwischen der Akzeptanz der Armee in der Bevölkerung und der Eskalation des Krieges – zum Beispiel in Afghanistan – eindeutig. Außerdem soll den Soldaten der Eindruck vermittelt werden Gott und die Gesellschaft stünden hinter ihnen. Mit Gott im Rücken soll das Morden und auch das Sterben wohl leichter fallen. Die Kirche lässt sich als Medium von der Bundeswehr benutzen. Wir haben den Kirchenvorstand daher aufgefordert, das Konzert abzusagen und angekündigt die Kirche vorher nicht wieder zu verlassen.
Eure Besetzung dauerte aber nicht lange an…
Einige Leute haben nach unserer Rede applaudiert und kamen auch nach vorn und bekundeten ihre Sympathie mit der Aktion – das war nicht der überwiegende Teil der Kirche, aber schon deutlich wahrnehmbar. Da dann die Kirchenorgel angefangen hat zu spielen, konnten wir aber erstmal nicht weiter mit den Leuten in der Kirche diskutieren, sodass dann viele einfach gegangen sind. Am Ende waren nur noch der Kirchenvorstand, die Landesbischöfin und eine Handvoll Leuten aus der Kirchengemeinde da. So hatte der Vorstand es ziemlich einfach, uns unter Beobachtung nur weniger Augenzeugen aus der Kirche zu werfen. Dies wurde nach etwa einer Dreiviertelstunde mit rund 30 PolizistInnen durchgesetzt – wir wurden heraus gezerrt oder getragen und in Polizeigewahrsam genommen.
Der stellvertretende Stadtsuperintendent der Hannoveraner Kirche, Thomas Höflich, wird in einer Pressemitteilung mit den Worten „Wir können uns nicht für einen politischen Konflikt instrumentalisieren lassen. […] Das ist nicht der demokratische Stil, den die Kirche pflegt.“ zitiert. Warum habt ihr die Kirche in den Konflikt mit der Panzerdivision hineingezogen?
Das hat sie selber gemacht. Die Neustädter Stadt und Hof-Kirche wussten von vornherein, was das Problem mit diesem Konzert ist – es gab ja schon vorher in der Marktkirche massive Proteste. Die Gemeinde und auch der Vorstand der Marktkirche waren damals zur Diskussion mit uns bereit: in Folge einer Podiumsdiskussion haben sie sich dann entschlossen, die Militärkonzerte nicht mehr in ihren Räumen durchzuführen. Die Neustädter Kirche hat ihre Räume bewusst als Ausweichort für das Militär zur Verfügung gestellt. Der Kirchenvorstand hat sich also ganz bewusst in den Konflikt hinein begeben. Nun argumentiert er immer, dass die Soldaten keine Menschen zweiter Klasse seien und Soldaten deswegen auch nicht der Zugang zur Kirche verwehrt bleiben darf. Eine ehemalige Stadtsuperintendentin hat kürzlich in der Lokalzeitung gesagt, dass so ein Militäradventskonzert eine Provokation sei und es nicht darum gehe, den einzelnen Soldaten den Zutritt zur Kirche zu verwehren, es aber etwas anderes sei, der Institution Bundeswehr die Kirche für eine geschlossene Veranstaltung zur Verfügung zu stellen. Dem können wir uns nur anschließen.
Da die Kirchenbesetzung bis zum Soldatengottesdienst nicht geklappt hat, gab es ein antimilitaristisches Konzert in der Nähe der Kirche…
Ja, das waren aber zwei unterschiedliche Sachen: die Kundgebung mit antimilitaristischem Krachkonzert hat am 8. Dezember zeitgleich mit dem Bundeswehrkonzert stattgefunden. Es war aber lange vor der Besetzungsaktion angekündigt und wurde vom Friedensbüro für den antimilitaristischen Aktionskreis Hannover angemeldet. Die versuchte Kirchenbesetzung wurde nicht von diesem Bündnis, sondern von einer kleinen antimilitaristischen Aktionsgruppe durchgeführt. Es war absehbar, dass das Friedenskonzert weit vor der Kirche und von der Polizei umstellt stattfinden würde. Wir wollten die Kirche aber direkt erreichen und den Konflikt in die Gemeinde tragen. Deshalb haben wir die Besetzungsaktion einige Tage zuvor durchgeführt. Trotz der Räumung hat sich die Aktion gelohnt. Wir haben eine große mediale Aufmerksamkeit erzeugt und auch innerhalb der Kirche tut sich was. So haben sich z.B. auch einige Gemeindemitglieder an der Kundgebung beteiligt. Damit das Militärspektakel zukünftig nicht mehr stattfindet, muss der Druck auf den Kirchenvorstand erhöht werden. Dazu bedarf es mehr Protest aus der Gemeinde oder allgemeiner aus kirchlichen Kreisen. Auch über Hannover hinaus gilt, die antimilitaristische Bewegung kann nur ein Katalysator für Protest innerhalb der der Kirchen sein. In den Gemeinden selber muss es mehr Diskussion und Protest geben.
Interview: Michael Schulze von Glaßer
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